Logistik 4.0: „Wir werden die operative Steuerung abgeben“

Logistik 4.0: „Wir werden die operative Steuerung abgeben“
Boris Otto, Leiter des EnterpriseLab für Logistik und Digitalisierung des Fraunhofer IML und der Schenker AG © Fraunhofer IML

Digitalisierung, Big Data und 3D-Druck verändern das Geschäft der Logistiker. Sie müssen vor allem Zusatzservices rund um den Transport anbieten, sagt Professor Boris Otto, Professor für Supply Net Order Management an der TU Dortmund.

Lieferketten, die sich ständig verändern, der boomende eCommerce: Logistiker müssen heute flexibel denken. Vor welchen Herausforderungen stehen sie außerdem?

Boris Otto: Es gibt Entwicklungen, auf die die Logistikunternehmen reagieren müssen – beispielsweise das Thema Additive Manufacturing beziehungsweise 3D-Druck. Andere technologische Trends eröffnen der Branche hingegen völlig neue Chancen.

Jedes Fahrzeug und jedes Transportgut wird Informationen in die Cloud senden können. Prof. Boris Otto

Wie könnte das in der Praxis konkret aussehen?

Mit dem Aufkommen des Internet der Dinge wird in Zukunft eine noch größere Datenmenge erzeugt. Jedes Fahrzeug und jedes Transportgut wird dann Informationen in die Cloud senden können. Das schafft Transparenz und die Voraussetzung für die weitere Optimierung der Logistikketten. So lassen sich beispielsweise die Klimabedingungen in Überseecontainern überwachen, um den Reifegrad von Bananen und somit den optimalen Ankunftszeitpunkt festzustellen. Um den Materialfluss zu optimieren, wird es immer wichtiger, diese Daten zu sammeln – und genau dafür sind Logistikunternehmen prädestiniert.

Auch Big Data könnte logistische Systeme transformieren. Wie wirkt sich das aus?

Was Bananen mit Big Data zu tun haben

Wie wird Big Data logistische Systeme transformieren, welche Chancen und Herausforderungen bietet der 3D-Druck und was bedeutet dies für die Logistik-Welt.

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Wenn jedes Transportgut ständig identifiziert und lokalisiert werden kann, lassen sich logistische Prozesse wesentlich intelligenter steuern. Nehmen Sie die Automobilindustrie: Fahrzeuge werden heute noch weitestgehend so hergestellt wie zu Zeiten des T-Modells von Ford. Industrie 4.0 wird das ändern: Produkte werden ihre eigenen Entscheidungen treffen und ihren Weg durch die Fertigung selbst finden. Der Mensch wird in Zukunft eher eine koordinierende Rolle spielen, die operative Steuerung wird er immer mehr abgeben.

Was bedeutet das für die Kommunikation zwischen Logistikern und ihren Kunden?

Der physische Transport wird den Wettbewerb in Zukunft weniger bestimmen – stattdessen werden Dienstleistungen rund um die Warenflüsse deutlich an Bedeutung gewinnen. Genau dafür sind die Logistiker prädestiniert und in diesem Bereich sehe ich große Potenziale für die Branche.

“Zusatzservices zum Transport: #Digitalisierung und #BigData verändern das #Logistik-Geschäft.“

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Anfang des Jahres nahm das Enterprise Lab für Logistik und Digitalisierung der Schenker AG und des Fraunhofer IML seine Arbeit auf. Welche Themen stehen im Mittelpunkt?

Grundsätzlich geht es um die Frage, was der große Trend „Digitalisierung“ für DB Schenker bedeutet und wie er sich im Sinne des Unternehmens nutzen lässt. Drei Themenschwerpunkte haben wir dabei identifiziert: Erstens beschäftigen wir uns mit neuen Geschäftsmodellen, die sich beispielsweise durch 3D-Druck ergeben werden. Zweites großes Thema sind die Warehouses der Zukunft. Und drittens geht es um die Supply Chain und die neue Rolle der Logistiker in der Welt von Industrie 4.0 und Big Data.

 

Kooperation für Logistik-Innovationen: Das DB Schenker Enterprise Lab

Das „DB Schenker Enterprise Lab for Logistics and Digitization“ verbindet die Forschung und Entwicklung des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik (IML) in Dortmund mit der internationalen Erfahrung und Innovationskraft von DB Schenker. Dadurch sollen innovative Logistiklösungen und Prozessinnovationen entstehen.

Die Kooperation läuft vorerst über drei Jahre, wobei sich DB Schenker insgesamt mit einem einstelligen Millionenbetrag beteiligt. Im Rahmen der Zusammenarbeit erhält das Unternehmen auch Zugang zum „Technology On Demand Laboratory“ mit den angeschlossenen Werkstätten des Fraunhofer IML. Das soll die Entwicklung von Prototypen beschleunigen und ermöglichen, sie in der Praxis zu erproben.

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Kontakt

Prof. Dr.-Ing. Boris Otto
Division Director Information Management & Engineering
Fraunhofer-Institute for Material Flow and Logistics IML
Boris.Otto@iml.fraunhofer.de