Forum Automobillogistik 2016 – Live-Bericht

Forum Automobillogistik 2016 – Live-Bericht
Logo des Forum Automobillogistik 2016

Beim Forum Automobillogistik am 3. Februar 2016 treffen sich die Branchengrößen aus der Logistik sowie der Automobil- und Zulieferindustrie. Zentrales Thema der Veranstaltung der Bundesvereinigung Logistik (BVL) und des Verbands der Automobilindustrie (VDA) ist die Supply Chain 4.0. Logistik aktuell berichtet live aus Frankfurt vom ersten Tag des Forums.

17.00 Uhr, Michael Burkhart, ZF Friedrichshafen (Sequenz: Herausforderungen im Aftermarket)

PP-Folie der Idee

Die Idee: Bluetooth-Tracking zwischen Fertigung und Montage © SDAG

Bluetooth kann mehr als Dateiübertragung. Dass sich die Technologie dank low-energy auch für industrielle Zwecke und insbesondere zur Optimierung von Supply Chain Prozessen eignet, zeigte Michael Burkhart von ZF Friedrichshafen. In einer mehrstufigen Studie testeten der Entwickler und sein Team die Ladungsverfolgung sowie Parameter wie Temperatur- und Stoßmessung während des Transports.

Und das mit Erfolg: während des achtwöchigen Versuchs wurden 100% der Transporte verlässlich erfasst. Das macht Lust auf weitere Tests, die laut Entwickler Burkhart bald folgen sollen. Man darf gespannt sein.

17.00 Uhr, Dr. Jörg Mosolf, Horst Mosolf GmbH&Co. KG (Sequenz: Neue Wege in der Transportlogistik)

Möglichkeiten der Datenvernetzung präsentiert Dr. Jörg Mosolf. Sein Unternehmen arbeitet als unter anderem Automobillogistiker mit großer eigener Flotte bzw. Ladungsträgern. Wie er berichtet fließen derzeit hohe Investitionen in folgende Bereiche von Big Data-Anwendung und autonomen Fahrzeugen:

  • Kontinuierliche Positionserfassung in Echtzeit
  • Überwachung falscher Bewegungen
  • Vereinfachte Inventur
  • Schnelles Tracking von Aus- und Eingangsmeldungen
  • Einfache Steuerung des Fahrzeugs auf der last mile.
  • Einsatz des autonome Fahrens auf Werksflächen

16.30 Uhr, Dirk Reimelt, Daimler AG (Sequenz: Neue Wege in der Transportlogistik)

Business Innovation in einem ohnehin sehr innovativen Unternehmen. Da ist wirkliche Kreativität gefragt. Also vor allem die Entwicklung neuer Geschäftsmodell jenseits des Kerngeschäfts. Nach CAR2GO arbeitet Daimler nun an CARSHARE cargo, einem Van-Sharing-System zum Gütertransport.

Dieses Projekt nimmt wesentliche globale Trends auf. So zum Beispiel Urbanisierung oder Share Economy. Das Pilotprojekt wird gerade in ersten Feldanwendungen auf Herz und Nieren geprüft. Wie Dirk Reimelt betont mit Erfolg:

  • Der Erfolg mit CAR2GO kann auf den Bereich Van übertragen werden.
  • Zielgruppe sind Kleinstunternehmer.
  • Seit Somme 2015 im Test bei der Berliner Tafel. Inzwischen mit 15 Transportern. CAR2SHARE cargo macht Logistikprozesse bei Essenauslieferung effizienter. Incl. Intelligenter Tourenplanung. Hier zeigt sich der positive Effekt: Die Beteiligten sparen Zeit, Sprit und gewinnen Zufriedenheit der Mitarbeiter.

16.00 Uhr, Christine Mezger-Behan, Robert Bosch GmbH (Sequenz: Neue Wege in der Transportlogistik)

Christine Mezger-Behan beschreibt die Einführung des groß angelegten Transport Management Systems (TMS) im Rahmen eines Change Prozesses bei der Bosch GmbH. Teil dieses Systems ist das Transport Cost Management: Auf Basis konsequent erfasster Daten und anhand eigener KPIs werden die Leistungen von Transportdienstleistern bewertet. Dabei spielen inzwischen nicht nur Laufzeiten oder Termintreue, sondern auch Aspekte wie die Informationstransparenz eine Rolle. Das Bosch TMS ist wesentliche Komponente auf dem Weg zur „Connected Supply Chain“, einer durchgehende Supply Chain Plattform.

Interessanter Aspekt während der Diskussion: Im Rahmen des TMS wählt Bosch Logistikdienstleister individuell nach den einzelnen ausgeschriebenen Routen aus. Das führt dazu, dass ich die Anzahl der Lieferanten erhöht, auch wenn dies der eigentliche Bosch Einkaufsstrategie zuwiderläuft.

15.00 Uhr, Prof. Dr. Alexander Pflaum, Fraunhofer Supply Chain Services (Sequenz Digitalisierung in der Automobilindustrie)

www.zio.fraunhofer.de

Mit seinem Team untersucht Dr. Alexander Pflaum disruptive Innovationen. Dabei von besonderem Interesse für die Forschungsgruppe: Wie erkennt man sie? Um diese Frage zu klären hat das Team folgende “Megatrends” (Zitat) identifiziert, die sich teilweise bereits seit 30-40 Jahren entwickeln, nun verschmelzen und dadurch großen Einfluss auf das disruptive Moment einer Neuentwicklung besitzen:

  1. Megatrend: Digitalisierung
  2. Megatrend: Wissensgesellschaft
  3. Megatrend: Servitization (Service statt das eigentliche Produkt im Mittelpunkt)
  4. Megatrend: 3D-Druck
  5. Megatrend: Robotik

Alle der genannten Megatrends haben eines gemeinsam: Sie wurden lange unterschätzt. Anhand von Statistiken beweist Prof. Dr. Pflaum jedoch, dass diese Zeiten längst vorbei sind – oder sein sollten. Vielmehr müssen diese Trends noch viel detaillierter und in gegenseitiger Abhängigkeit zueinander betrachtet werden.

15.00 Uhr, Patric Galetzka, Hella KGaA Hueck & Co., und Markus Exo, DUVENBECK GmbH (Sequenz Datenqualität für Logistik 4.0)

Die VDA 4933 beschreibt die Standardisierte Transportavisierung, die es seit 2009 gibt und bisher nur sehr begrenzt zum Einsatz kommt. Und das obwohl sie zahlreiche Vorteile bringt. Volkwagen, Spediteur DUVENBECK Solution & Engineering GmbH und Zulieferer Hella KGaA Hueck & Co. haben dazu eine Arbeitsgruppe zur Umsetzung einer Pilotanwendung gegründet. Seit 1. Februar ist das Projekt aus der Testphase in den Normalbetrieb übergegangen und zeigt schnell positive Ergebnisse:

  • Insgesamt einfache Einführung
  • Operative IT-Anbindung verlief schnell und problemlos durch Konformität zu EDI-Standard des VDA • Hohe Relevanz der Stammdaten bestätigt sich
  • Klar definiertes Exception Handling ist sinnvoll.

Die Erfahrungen des Pilots sind übrigens sehr schnell und unkompliziert in die Novellierung der VDA 4933 eingeflossen.

14.30 Uhr, H.-W. Dünn, Vizepräsident des Cyber-Sicherheitsrats (Sequenz Digitalisierung in der Automobilindustrie)

Eindrucksvoll und an Praxisbeispielen schilderte Hans-Wilhelm Dünn die Gefahren, die auf Unternehmen im Cyber-Space warten. Während in der Industrie das Bewusstsein für Sicherheit recht groß sei, sind gerade KMUs, die über weniger Budget für Datensicherheit verfügen, stark bedroht. Auf sie entfallen etwa 50 Prozent aller erfassten Angriffe. Gefahr für die Automobilhersteller: Häufig reichen Angriffe auf kleinere Zulieferer, damit großer Schaden entsteht. Derweil kritisierte der Vizepräsident des Cyber-Sicherheitsrats Deutschlands die Behörden. Sie gingen häufig viel zu spät vor – selbst gegen bekanntgewordene Attacken. Hier bestehe Nachholbedarf. Nicht zuletzt deshalb, weil auch das organisierte Verbrechen langsam aber sicher seine Chancen im Netz gewittert habe.

Insgesamt wies Hans-Wilhelm Dünn darauf hin, dass hundertprozentiger Schutz gegen Cyber-Kriminalität nicht möglich ist. Zu vielfältig seien die Schwachstellen, die mit jeder neuentwickelten Technik auftreten. Umso wichtiger sei es, die eigenen “Kronjuwelen” zu identifizieren und zu schützen.

14.30 Uhr, Ulrich Katzer, Rehau AG & Co (Sequenz Datenqualität für Logistik 4.0)

Ulrich Katzer beschreibt vor allem Erfahrungen aus der Sicht eines großen Zulieferers der Automobilbranche:

  • Die Variantenexplosion in der Automobilentwicklung steigert Prozessgeschwindigkeit und –komplexität gleichzeitig.
  • Die Synchronisation von Leanmanagement und Digitaler Fabrik optimiert Prozesse, macht sie aber auch weniger robust gegen Störungen und Schwankungen.
  • Nur 40% der erfassten Maschinendaten werde ausgewertet.
  • Aktuelle Fertigungslinien beim OEM bilden schlanke Kette eines Flussprozesses. Ist das schon das Optimum? Oder brauchen wir komplex vernetzte Modelle.

14.00 Uhr, Matthias Braun und Matthias Lühr, Volkswagen Konzernlogistik GmbH & Co. OHG, Wolfsburg (Sequenz Datenqualität für Logistik 4.0)

„Partnerschaftliche Optimierung als Weg zu einer gesteigerten Prozesseffizienz“ war das Thema von der Vertreter der Volkswagen Konzernlogistik GmbH & Co. OHG, Wolfsburg. Matthias Braun beschreibt die Rahmenbedingungen:

  • Globaler Wettbewerbsdruck und höhere Ansprüche beim Kunden forcieren einen Optimierungsprozess in Kooperation mit unseren (logistischen) Partnern.
  • Treiber einer partnerschaftlichen Optimierung im Inbound-Prozess sind hohe Anforderungen an die Informations- du Materialflüsse.

Und verweist selbstkritisch darauf, dass Amazon hierbei im Augenblick noch einiges voraus ist.

„Die Qualität der Stammdaten entscheidet über die Qualität der Prozesse.“, Matthias Lühr, Volkswagen Konzernlogistik

Matthias Lühr fährt fort:

  • Stammdatenfehler und Medienbrüche dürfen den Informationsfluss nicht beeinträchtigen.
  • Eine zuverlässige Avisierung funktioniert nur, wenn wir Echtzeitdaten über die Transportsituation und eventuelle Störungen haben.
  • Die Nutzung der neuen VDA-Empfehlung für den Elektronischen Datenaustausch (EDI-Nachrichten) für Spediteure und Logistikdienstleister bewährt sich nachhaltig.

12.00 Uhr, Prof. Dr. Michael ten Hompel, Fraunhofer IML über Logistik 4.0

Warum gehört das 4.0 hinter die Logistik, fragt Prof. Dr. ten Hompel. Vor fünf Jahren ausgerufen wird sie in fünf Jahren den Alltag der Logistik bestimmen.

Seine Beispiele:

  • Dash-Buttons und iBeacons erzeugen durchgängige Datenstrecken.
  • Schwarmintelligenz und autonome Steuerung revolutionieren den Transport auf der Straße und im Lager.
  • In fünf Jahren können wir nicht mehr unterscheiden, ob wir mit einem Computer oder einem Menschen kommunizieren.
  • Industrie 4.0 verändert die betriebliche Arbeit. Wir werden anders lernen und führen.

ten Hompel bei seinem Vortrag

Laut Prof. Dr. ten Hompel führt nichts an automatisierten Fahrzeugen vorbei. © SDAG

“In 5 Jahren werden wir mit Regalen sprechen” Prof. Dr. ten Hompel, @FraunhoferIML #FAL16“

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11.30 Uhr, Matthias Kässer, McKinsey über die Entwicklung der globalen Automobilindustrie

Sharing Economy, autonome Fahrzeuge und Coopetition waren die Themen von Thomas Kässer von McKinsey. Seine Kernthesen:

  • CarSharing wird das globale Wachstum des Automobilsektors nicht merklich bremsen.
  • Stark genutzte CarSharing Fahrzeuge sind wertvolle Datenquellen.
  • 2030 könnten 15 % der Neuzulassungen auf autonome Fahrzeuge entfallen.
  • In Zukunft werden nicht mehr nur OEMs konkurrieren, denn komplexe ECO-Systeme stehen in Coopetition. Diese Gebilde bestehend aus Unternehmen verschiedener Wertschöpfungsmodelle verändern die Automobillogistik.

10.30 Uhr, Keynote-Speaker Dr. Karl-Thomas Neumann (Opel / GM) und Dr. Hansjörg Rodi (DB Schenker)

Erster Keynote-Speaker ist Dr. Karl-Thomas Neumann. Der Chairman der Opel Group spricht zunächst über den Aufwärtstrend seines Konzerns und die Ziele bis 2022. Seine Vision: Höchste Flexibilität und Standards bei Individualisierung und Service. Für die Automobillogistik sieht er folgende Auswirkungen:

  • Optimierung gelingt durch Integration von Auftrags- und Materialebene durch transparenten Onlinedatenfluss. Auch das sei ihm zufolge “Umparken im Kopf”.
  • Der Trend zur Individualisierung (Beispiel Opel Adam) stellt erweiterte Herausforderungen für die Sequenzstabilität. Bei Opel geht die logistische Lösung dahin, Warehouses aufzulösen, um die Lieferkette zu verkürzen.
  • Es gibt keine isolierten Lösungen mehr. Das Ziel ist die Synchronisierung multipler Partner in komplexen internationalen Netzwerken.

“Die Branche wird sich in den nächsten 10 Jahren mehr verändern, als in den letzten 80. #FAL16“

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Sportwagen und CEO Neumann von Opel

Dr. Neumann präsentierte während seines Vortrags die neue Sportwagenstudie von Opel. © SDAG

Nun betritt Dr. Hansjörg Rodi, Chief Transformation Officer & Head of Competence Center Automotive Schenker AG, das Podest. Sein Thema: “Logistik im Zeitalter der Digitalisierung”. Zunächst spricht er seine neue Funktion in der Schenker AG an. Transformation muss übergreifend gedacht werden – insbesondere international. Er setzt auf die weltweite Harmonisierung der Logistikprozesse und internationale Standards.

Ermöglicht werden diese Ziele durch Vernetzung und Digitalisierung. Diese Themen sind in den letzten 3 Jahren in der Agenda dramatisch nach oben gerückt. Insbesondere Transparenz, Echtzeitinformationen und Sharing Economy gewinnen laut Dr. Rodi enorm an Bedeutung. Sie sind Kernthemen der Logistik.

Dr. Rodi bei seiner Keynote-Rede

In seiner Keynote sprach Dr. Rodi über das Muss der digitalen Transformation der Logistik. © SDAG

Gleichzeitig weist er auf die disruptive Macht der digitalen Transformation hin. Als Beispiel nennt er klassische Reisebüros und Versicherungsmakler, deren Geschäftsmodell durch Internetangebote obsolet würden. Logistiker sehen sich im weiteren mit neuen Marktteilnehmern konfrontiert, die quer in klassische Logistikbereiche eindringen. Ein Beispiel hierfür sei Amazons Weg vom Buchhändler zum ernsten Konkurrenten im KEP-Bereich.

Nicht zuletzt diese Entwicklung sieht Dr. Rodi als grundlegend, um sich mit Digitalisierungsprozessen zu befassen. Laut ihm müssen diese als Chance und nicht als Bedrohung betrachtet werden. Ansätze dafür sind automatisierte Transporte und der Einsatz neuer Technologien in den Warehouses. In diesem Zusammenhang lobt er die Zusammenarbeit von DB Schenker und dem Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik.

10.00 Uhr, Begrüßung durch Dr. Eichhorn (VDA) und Prof. Dr. Wimmer (BVL)

Es geht los! Dr.-Ing. Ulrich Eichhorn, Geschäftsführer des Verbands der Automobilindustrie (VDA), und Prof. Dr.-Ing. Thomas Wimmer, Vorsitzender der Geschäftsführung der Bundesvereinigung der Logistik (BVL), heißen die Gäste zum Forum Automobillogistik willkommen. Leitthema der Veranstaltung ist “Supply Chain 4.0 – stabil, synchron, skalierbar” und ihre Veränderung vor dem Hintergrund von Digitalisierung, Individualisierung, neuer Antriebstechnologien und volatiler Märkte.

“In der Autoindustrie sind wir bei Industrie 4.5 angekommen.” Dr. Ulrich Eichhorn @VDA #FAL16“

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Vertreter von VDA und BVL begrüßen das Publikum

Dr.-Ing. Eichhorn, Geschäftsführer des VDA, und Prof. Dr.-Ing. Wimmer, Vorsitzender der Geschäftsführung der BVL eröffnen das 4. Forum Automobillogistik © SDAG

9.50 Uhr, Das Programm des Forums Automobillogistik 2016

Die Gäste aus der Automobil- und Logistikbranche erwartet zwei Tage voller spannender Vorträgen aus den Themenbereichen Automobillogistik und Supply Chain Management. Der genaue Ablauf kann dem Programm (PDF-Datei) (Quelle: BVL) entnommen werden.

Leerer Vortragssaal mit Präsentation über Beamer

Kurz vor Beginn des Forums Automobillogistik 2016 – logistik aktuell ist bereits vor Ort. © SDAG