Zwei Landverkehrs-Disponenten blicken 25 Jahre zurück und Richtung Zukunft

Zwei Landverkehrs-Disponenten blicken 25 Jahre zurück und Richtung Zukunft
Andreas Eilrich (links) und Lars Wederka arbeiten als Disponenten im Landverkehr bei DB Schenker in Güstrow. © Markus Hertrich/SDAG

Wie erleben die Mitarbeiter im Landverkehr den Wandel, der sich seit der Gründung der ersten Standorte von DB Schenker nach der Wende im Osten Deutschlands vollzogen hat? Ein alter Hase und ein Newcomer berichten über die Entwicklung und die Zukunft ihrer Arbeit. Andreas Eilrich startete 1991 als Lkw-Fahrer. Heute leitet der 55-Jährige in der Geschäftsstelle Güstrow die nationale Landverkehrs-Disposition. Lars Wederka organisiert seit dem erfolgreichen Abschluss seiner Ausbildung im Januar als Disponent Lkw-Verkehre auf internationalen Routen.

Herr Eilrich, wenn Sie zurückblicken, was hat sich im Landverkehr in 25 Jahren am stärksten verändert?

Andreas Eilrich: Eindeutig die Geschwindigkeit. Das tägliche Geschäft ist immer schneller geworden. Wenn ich früher als Lkw-Fahrer Schwierigkeiten bei einer Anlieferung hatte oder in der Disposition nachfragen wollte, ob ich auf dem Rückweg noch Sendungen von Kunden abholen sollte, musste ich mir erstmal ein Telefon suchen. Das war nicht selten die nächste Telefonzelle. Von sich aus konnten mich die Kollegen erst wieder sprechen, wenn ich meine Tour beendet hatte und zurück in der Geschäftsstelle war. Du kannst dir das vermutlich kaum noch vorstellen Lars, oder?

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“Jederzeit können wir jeden Lkw, jeden Trailer per GPS orten. Wir wissen, was er geladen hat und ob er gerade bei Rostock im Stau steht oder auf der Fähre Richtung Skandinavien unterwegs ist.” © Markus Hertrich/SDAG

Lars Wederka: Wenn ich unsere technischen Möglichkeiten heute sehe, kann ich mir das wirklich schwer vorstellen. Jeder hat ein Handy und wenn sich eine Route kurzfristig ändert, kann ich dem Fahrer eine Nachricht über seinen Bordcomputer schicken. Jederzeit können wir jeden Lkw, jeden Trailer per GPS orten. Wir wissen, was er geladen hat und ob er gerade bei Rostock im Stau steht oder auf der Fähre Richtung Skandinavien unterwegs ist. So können wir auch unsere Kunden immer auf den neuesten Stand bringen.

Wie viele Telefone haben Sie als Dispositionsleiter heute in der Tasche, Herr Eilrich?

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Andreas Eilrich: Beruflich sind es inzwischen drei. Zwei Handys trage ich stets bei mir – eins für unsere Kunden, eins für die Fahrer. Mich kann man von 6 bis 22 Uhr und im Notfall auch am Wochenende erreichen. Unsere Fahrer arbeiten ja schließlich auch rund um die Uhr. Außerdem habe ich noch einen Festnetzanschluss für alle anderen Anrufer und checke regelmäßig meine E-Mails.

Herr Wederka, was reizt Sie daran, als Disponent internationale Transporte zu organisieren?

Lars Wederka: Die hohe Taktfrequenz der Anfragen von Kunden, Fahrern und Kollegen und die Abwechslung, die immer neue Herausforderungen mit sich bringen. Unsere Kunden brauchen Transportlösungen für Kisten mit Konsumgütern ebenso wie für schwere Maschinenteile oder Laminat. Wir telefonieren, planen, verhandeln im Minutentakt, um die Anforderungen jedes Einzelnen kurzfristig umzusetzen.

“Was Computern fehlt, ist die Fähigkeit zur Improvisation, so Dispositionsleiter Andreas Eilrich“

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Wenn Sie 25 Jahre in die Zukunft blicken: Rollen dann überall autonome Lkw ohne Fahrer über die Autobahnen und Computer haben die Disposition übernommen?

Andreas Eilrich: Daimler testet ja in Baden-Württemberg bereits autonom fahrende Lkw im öffentlichen Straßenverkehr. Wenn sich die Technik bewährt, warum sollte das nicht auch hier möglich sein? Aber was Computern fehlt, ist die Fähigkeit zur Improvisation und Kreativität. Wie bekomme ich die letzte Palette noch irgendwie unter?

Lars Wederka: Computerprogramme erleichtern uns die Arbeit heute schon erheblich. Da sie immer weiterentwickelt werden, können sie in Zukunft sicher auch zusätzliche Aufgaben wie zum Beispiel die grobe Tourenplanung übernehmen. Aber was ist, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert? Wenn ein Reifen platzen sollte und der Lkw deshalb die Fähre nicht schafft? Dann müssen Umbuchungen, der Pannendienst und der Informationsaustausch mit den einzelnen Kunden koordiniert werden. Um die Abweichung von der Regel zu meistern, wird der Mensch weiterhin unentbehrlich bleiben – zumindest die nächsten 25 Jahre.