Wie wir zukünftig leben, ist vor allem eine Frage der Logistik

Wie wir zukünftig leben, ist vor allem eine Frage der Logistik
Faszination Logistik: E-Commerce-Warehouse bei DB Schenker © DBAG

Anlässlich des Tags der Logistik 2016 sprechen wir mit Ulrike Grünrock-Kern. Sie ist Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der Bundesvereinigung Logistik e.V. (BVL) und in dieser Funktion einer der Initiatorinnen und Organisatorinnen des Tags der Logistik.

Seit 2008 leistet die BVL unter anderem mit der Aktion Tag der Logistik Image- und Informationsarbeit in Sachen Logistik. Mit Erfolg. Inzwischen haben auch in den Publikumsmedien logistische Themen einen festen Platz auf der Agenda. Und auch die wirtschaftliche Bedeutung der Logistik hat langsam, aber sicher Eingang in unsere Köpfe gefunden.

logistik aktuell: Frau Grünrock-Kern, ist die Mission Logistik-PR damit erfüllt?

Ulrike Grünrock-Kern: Wir machen Fortschritte. Inzwischen wird die Logistik allgemein als eine Kernkompetenz der deutschen Wirtschaft wahrgenommen. Niemand ignoriert mehr ihre volkswirtschaftliche Relevanz als drittgrößter Wirtschaftsbereich mit rund 240 Milliarden Euro Umsatz und etwa drei Millionen Beschäftigten. Aber es bleibt genügend zu tun. Denn erstens verändert sich die Logistik aktuell sehr stark. Und wir wollen diesen Wandel kommunizieren. Und zweitens leiden wir immer noch unter dem reduzierten Image von „packen, fahren, lagern“.

Ulrike Grünrock-Kern, Portraitfoto

Ulrike Grünrock-Kern ist Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der Bundesvereinigung Logistik. © BVL/Jan Meier

Logistik wird darin gelegentlich als notwendiges Übel verkannt, das in Form verstopfter Straßen, Verspätung, Lärm und Verschmutzung im Zweifelsfall auch noch Ursache von Störungen ist. Wenn aber alles perfekt läuft, ist sie – wie funktionierende IT – unsichtbar. Die höchste „Anerkennung“, auf die Logistik vielerorts hoffen darf, ist daher dass sie – weil perfekt ausgeführt – übersehen wird. Und das wird ihrer Relevanz einfach nicht gerecht!“

logistik aktuell: Wieso reicht Ihnen das Image einer unsichtbaren Hintergrunddienstleistung nicht?

Ulrike Grünrock-Kern: Weil Logistik als Dienstleitung und als Disziplin innerhalb der produzierenden Unternehmen so viel mehr ist. Sie eine Schlüsseldisziplin unserer Wirtschaft und Gesellschaft. Die BVL hat diese sehr weitreichende Bedeutung der Logistik in einer Reihe von Thesen formuliert. Ich will nur einige davon nennen:

Zum Beispiel Mobilität und Urbanisierung. Mobilität für Menschen und Güter zu gewährleisten ist und bleibt eine der zentralen gesellschaftlichen Aufgaben. Mobilität bedeutet Beweglichkeit und Freiheit, damit ist sie eine der bedeutsamsten Voraussetzungen für gesellschaftliche Entwicklung und wirtschaftliches Wachstum. Zugleich führen ein wachsender Anteil der Stadtbevölkerung sowie expandierende Wirtschaftszentren zu einem räumlichen Ungleichgewicht des Nachfrageaufkommens nach Mobilität. Bei der Gestaltung dieser Aufgabe sind Stadtentwicklung, Umweltbehörden, Verkehrsplaner und Logistik gemeinsam gefragt. Die technischen und organisatorischen Lösungen für eine intelligente Citylogistik werden dann aber vor allem von den Logistikunternehmen kommen. Das wird die Art, wie wir in Zukunft leben, nachhaltig beeinflussen.

logistik aktuell: Sicherlich gibt es innerhalb dieser Thesen bei der BVL auch eine Positionierung zum Thema Klimaschutz und Energieeffizienz?

Vorbericht: Zentrale Pressekonferenz am Tag der Logistik

Die zentrale Pressekonferenz zum Tag der Logistik 2016 veranstalten BVL und DB Schenker gemeinsam im Schenker-Logistikzentrum Leipzig.

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Ulrike Grünrock-Kern: Das Streben nach ökoeffizienten Lösungen ist ein permanenter Bestandteil logistischer Betrachtungen. Ökoeffizienz bedeutet, dass ein Unternehmen beispielsweise bei weniger Materialeinsatz, Energieverbrauch und Flächenbelegung dieselbe Leistung erbringen kann. Die Logistik optimiert also den Ressourceneinsatz. Und Logistik optimiert Abläufe unter Einbeziehung neuer Rahmenbedingungen und Technologien immer wiederkehrend im Sinne eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses. Hierzu gibt es in Ihrem Unternehmen gute Beispiele. Ein Vorreiter in der gezielten Anwendung einer ressourcenschonenden Logistik ist der Automobilhersteller Audi. Das Unternehmen setzt auf den CO₂-neutralen Schienen-Gütertransport des Ökoprogramms Eco Plus von DB Schenker. Dazu bündelt es seine Inbound-Transporte konzernweit und wickelt sie über regionale Konsolidierungszentren ab.

“Grünrock-Kern: Logistik-Innovationen erfordern Bildung und Qualifikation @BVLoffice #DBSchenker“

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logistik aktuell: Die sind tatsächlich eindrucksvolle Beispiele für sehr weitreichende gesellschaftliche Dimensionen, die der Logistik zukommen. Würden Sie uns zum Schluss bitte noch Ihre Einschätzung zu den großen Themen Arbeitsmarkt, Bildung und Qualifikation geben.

Ulrike Grünrock-Kern: In der Logistik steigen mit der Prozess- und Produktkomplexität die Anforderungen an Berufe in den verschiedenen Tätigkeitsbereichen. Dies ist eine der großen Transformationen, die der Arbeitsbereich derzeit erlebt. Als Ergebnis dieser Entwicklung besteht schon jetzt ein Mangel an Facharbeitskräften. Innovationen und Unternehmertum in der deutschen Logistik erfordern Bildung und Qualifikation, und mit dem zunehmenden wissenschaftlich-technischen Fortschritt wächst deren Bedeutung weiter an. Als Zukunftsbranche in Deutschland benötigt die Logistik zusätzliche Förderung in der Aus- und Weiterbildung. Das ist eine Aufgabe der Unternehme, die Bildungs- und Qualifizierungsangebote auf allen Ausbildungsstufen ausbauen müssen. Das ist eine Aufgabe der Politik, die bis in die Modernisierung des Bildungssystems reicht. Das ist aber auch eine Aufgabe für uns als Expertennetzwerk BVL.

logistik aktuell: Womit wir wieder beim Tag der Logistik sind. Einen lebendigeren und konzertierteren Beitrag, das Interesse und die Akzeptanz des Berufsfelds Logistik zu stärken, lässt sich schwerlich vorstellen.

Die Zukunft der Logistik – deine Zukunft bei DB Schenker | logistik aktuell

Logistik macht’s möglich - auch Karrieren in spannenden Berufen. DB Schenker informiert am Tag der Logistik über die Zukunft der Arbeit in der Logistik

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Ulrike Grünrock-Kern: Ja, das ist schon eine Erfolgsgeschichte. Dabei war der Tag der Logistik anfangs gar nicht schwerpunktmäßig als Recruiting-Aktion konzipiert. Es ging darum einen fixen Punkt im Jahresablauf zu etablieren, an dem viele Player gemeinsam das Bild der Logistik in der Öffentlichkeit weiten und schärfen. Die teilnehmenden Unternehmen haben diesen Tag dann sehr schnell als wirksames Mittel bei der Bewerbersuche erkannt und aufgegriffen. Aber das passt ja wunderbar zu unserer Grundidee. Denn wie lässt sich das Image besser verändern als über lebendige Einblicke in einen abwechslungsreichen und verantwortungsvollen Berufsalltag. Am Tag der Logistik treffen vor allem junge Leute auf Kolleginnen und Kollegen, die mit viel Herzblut ihren Platz in der Logistik ausfüllen. Wer das einmal miterlebt, spürt welch großen Aufgaben hinter dem Begriff „Logistik“ stehen.

logistik aktuell: Frau Grünrock-Kern, wir danken Ihnen herzlich für dieses Gespräch.