Eventlogistik in der Formel 1: Von Spielberg nach Silverstone in 24 Stunden

Eventlogistik in der Formel 1: Von Spielberg nach Silverstone in 24 Stunden
Gemeinsam stark: Das Team von MERCEDES AMG PETRONAS Formula One (TM) und die Eventlogistik von DB SCHENKERsportsevents © MAMG

Zwischen den Formel 1 Rennen in Spielberg und Silverstone liegen nur 7 Tage. Für die Logistiker des MERCEDES AMG PETRONAS Formula OneTM Teams ist das eine Herausforderung.

Denis Marinkovic

Von Hagen aus koordiniert Denis Marinkovic für das MERCEDES AMG PETRONAS Formula One™ Team den Transport nach Silverstone. © privat

In nur drei Tagen muss das komplette Equipment in Spielberg abgebaut, nach Silverstone transportiert und dort wieder aufgebaut werden. Die Redaktion von logistik aktuell sprach mit Projektmanager Denis Marinkovic, der für DB SCHENKERspecial die Projekt-Disposition koordiniert. Im Interview erzählt er, warum der straffe Zeitplan nur mit guter Planung und viel Erfahrung umsetzbar ist.

logistik aktuell: Die Formel 1 Rennen in Spielberg und Silverstone liegen nur eine Woche auseinander. Was bedeutet dieser geringe Abstand für die Logistik?

Denis Marinkovic: Das ist sozusagen die Formel 1 in der Logistik. Bei dieser Konstellation zählt wirklich jede Stunde. Für die Disposition beschäftigen wir deshalb zusätzliches Personal – einerseits für Ab- und Aufbau, andererseits Fahrer für den Transport. Schließlich müssen wir trotz des geringen Abstands der beiden Rennen gesetzliche Lenk- und Ruhezeiten einhalten. Bereits bei der Planung bedeutet das einen erheblichen Mehraufwand.

Wie unterscheidet sich der Zeitplan im Detail verglichen mit den üblichen zwei Wochen zwischen den Rennen?

Lewis Hamilton bei der Siegerehrung

Der strahlende Sieger von Spielberg, Österreich: Lewis Hamilton © MAMG

Normalerweise haben wir fünf Tage für den Aufbau des Motorhomes (Hospitality-Fläche) und des Race-Equipments. Zu letzterem gehört zum Beispiel das „Engineersoffice“, das aus zwei Trailern besteht und dessen Innenausstattung wir jedes Mal wieder neu platzieren müssen.

Dieses Mal müssen der Abbau in Spielberg, der Transport nach Großbritannien und der Aufbau in Silverstone innerhalb von drei Tagen erledigt sein. Für den Abbau haben wir 24 Stunden kalkuliert. Für den Transport – immerhin 1600 km Strecke plus die Überquerung des Ärmelkanals –nochmal die gleiche Zeit. Beim Aufbau in Silverstone werden uns also effektiv gerade einmal 24 bis 28 Stunden bleiben.

Wie viele Mitarbeiter sind dabei jeweils beteiligt und wie wird die Reise zwischen Österreich und England bewerkstelligt?

Liegt gut in der Kurve: der Mercedes F1 W07 Hybrid Rennwagen © MAMG

Liegt gut in der Kurve: der Mercedes F1 W07 Hybrid Rennwagen © MAMG

Insgesamt sind etwa 80 bis 85 Leute im Einsatz. Den Großteil machen die Fahrer aus, aber auch Handwerker, Busfahrer und Projektmanager sind vor Ort. Für den Transport werden alle LKW jeweils mit drei Mann besetzt. Im Raum Köln wird dann gewechselt. Parallel fährt ein Reisebus mit, der die Leute zuvor schon nach Österreich gebracht hat und sie nach dem Rennen wieder von England nach Deutschland befördert. Die Stammbesatzung für Auf- und Abbau fliegt von Österreich nach England. So sind sie bereits vor Ort, um die LKW in Silverstone in Empfang zu nehmen. Abfahrts- und Übergabezeiten müssen nämlich genau getaktet sein.

Wie viele Fahrzeuge sind beim Transport im Einsatz?

Unsere silberne Flotte besteht aus fünf Race Trucks, die das Rennmaterial also unter anderem die Boliden transportieren. Unsere weiße Flotte ist unter anderem für den Transport des Motorhomes zuständig.

Wir sind neugierig: Was genau ist an Board der Race Trucks?

 

Rennwagen auf Rennstrecke vor Alpenpanorma

Imposante Kulisse: Der Rennkurs von Spielberg in den österreichischen Alpen. © MAMG

Bei den Race Trucks sind unter anderem die Mercedes F1 W07 Hybrid Rennwagen an Board. Das ist natürlich die wichtigste Ladung. Die anderen Race Trucks sind voll mit BOX-Equipment und dem Engineers-Office.

Wie wird der Transport koordiniert?

Als Projektmanager koordiniere ich für DB SCHENKERspecial in Hagen den gesamten Transport. Wir kümmern uns um die Disposition der Fahrzeuge, die Personalplanung rund um Auf- und Abbau sowie die Buchung von Unterkünften und Verpflegung für das Team.

Das MERCEDES AMG PETRONAS Formula One Team wird logistisch europaweit von den DB SCHENKERsportsevents Kollegen in Kelsterbach betreut. Dort werden auch die zusätzlichen Luft- und Landtransporte koordiniert – zum Beispiel wenn Ersatzteile vom Team-Stammsitz aus Brackley beschafft werden müssen. In jedem dieser Bereiche ist unsere Formel 1 Crew bereits sehr gut eingespielt.

“@F1 #Logistik: Abbau in Spielberg, Transport, Aufbau in Silverstone in nur 3 Tagen!“

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Stehen die LKW beim Transport in Kontakt zu einer Leitstelle? Was passiert zum Beispiel wenn sich ein Stau abzeichnet?

DB Schenker Truck auf dem Kurs von Silverstone

Straffer Zeitplan: Nach 24 Stunden Fahrt erreichen die Trucks von DB Schenker den Kurs von Silverstone © MAMG

Alle Trucks sind GPS überwacht und können jederzeit geortet werden. Außerdem stehen die Fahrer während der Reise in engem Kontakt. Das funktioniert sehr gut. Zumeist fahren sie als Konvoi oder zumindest in kleineren Gruppen. Bei Problemen wie Staus, die den Zeitplan gefährden, ist der Projektleiter 24/7 erreichbar und kann eine Lösung finden.

Blicken wir mal in die Zukunft: Wäre solch ein rascher Transport auch dann noch möglich, wenn Großbritannien aus der EU aussteigt?

Sicher, für uns Logistiker ist fast nichts unmöglich. Dann würde neben dem Transport eben noch eine Zollabfertigung hinzukommen. Für uns bedeutet das dann lediglich einen höheren dokumentarischen Aufwand. Und natürlich nehmen zusätzliche Zollabfertigungen auch etwas Zeit in Anspruch.

Kontakt

Sören Hell
Projektmanager DB SCHENKERsportsevents
E-Mail: events@dbschenker.com