Platooning im Landverkehr: sicherer, wirtschaftlicher, nachhaltiger

Platooning im Landverkehr: sicherer, wirtschaftlicher, nachhaltiger
Wie die Elefanten auf dem Bild reisen LKW beim Platooning in Kolonne. Für Umwelt, Straßen- und Landverkehr hält die Technologie viele Potenziale bereit. © fortan / fotolia.de

In Kolonnen machten sich Lkw mehrerer europäischer Hersteller Anfang April auf die Reise ins niederländische Rotterdam. Das besondere bei der Sternfahrt: Die Lkw fuhren halbautomatisiert.

Was aus der Luft wie eine Elefantenherde anmutet, nennt sich Platooning und wird den Landverkehr mittelfristig revolutionieren. Da sind sich die Experten sicher. Bei dem System, das sich gerade in der Entwicklung befindet, werden Lkw vernetzt und mithilfe von Fahrassistenzsystemen in Reihe geschaltet. Die Koppelung der Lkw verspricht enorme Effizienzgewinne und könnte den Lastkraftverkehr sicherer sowie umweltfreundlicher machen.

Vernetzung im Feldversuch: Die EU Truck Platooning Challenge

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www.eutruckplatooning.com

Ein medienwirksamer Feldversuch sollte sie sein: Die EU Truck Platooning Challenge. Ziel der Sternfahrt, die auf Einladung der niederländischen EU-Präsidentschaft zustande kam, war es, den Herstellern ausführliche Tests ihrer Platooning-Technologien zu ermöglichen. Im Einzelnen zählen dazu Fahrassistenz- und Steuersysteme sowie die WLAN-basierte Kommunikation zwischen den Fahrzeugen.

Potenziale beim Platooning: Effizienz, Sicherheit, Umweltverträglichkeit

Und der Test unter Realbedingungen verlief erfolgreich: Ohne Zwischenfälle erreichten die Kolonnen am 6. April das Zielgebiet am Hafen von Rotterdam. So kann die Sternfahrt als wichtiger Schritt für die Einführung des neuen Landverkehrmodus und der Realisierung seiner Potenziale betrachtet werden – und diese sind vielfältig. Durch den geringer Abstand von zehn Metern zwischen den Fahrzeugen verringert sich der Luftwiderstand erheblich und damit auch der Verbrauch. Laut Daimler ließen sich bei einer Dreier-Kolonne sieben Prozent Kraftstoff einsparen. VW spricht sogar von bis zu zehn Prozent. Lkw Transporte würden so nicht nur deutlich kosteneffizienter, sondern auch umweltfreundlicher. So rechnet Daimler auf seiner Webseite vor, dass durch Platooning der CO2-Ausstoß auf 13,3 Gramm pro Kilometer und Tonne Gewicht sinken würde. Laut dem Autobauer sei das weniger als bei jedem PKW mit Verbrennungsmotor.

“#Logistik40: #Platooning bringt halbautomatisierte Lkw auf die Straße und alle profitieren“

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Gleichzeitig könnte Platooning für mehr Sicherheit auf der Straße sorgen. Während die Reaktionszeit eines menschlichen Fahrers 1,4 Sekunden beträgt, geben die vernetzten Lkw Bremssignale in weniger als 0,1 Sekunden weiter. Trotz geringerem Abstand zwischen den Fahrzeugen, könnten so viele Auffahrunfälle durch Lkw und somit auch Staus vermieden werden. Auch das würde sich unter ökologischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten positiv auswirken – genauso wie auf die angespannte Verkehrslage auf den Autobahnen.

Hinzu kommt, dass beispielsweise eine Kolonne von drei vernetzten Lkw lediglich 80 statt 150 Meter Fahrbahnfläche beanspruchen. Auch durch diese effizientere Nutzung der Straße könne sich laut Experten die Lage auf Autobahnen entspannen. Für auf- und abfahrende PKW könnte sich die Länge der Kolonnen allerdings als problematisch gestalten. Die LKW-Hersteller verweisen jedoch darauf, dass ein Konvoi in entsprechenden Bereichen aufgelöst oder der Abstand vergrößert würde.

Rechtliches, Technisches, Wirtschaftliches: Das bleibt zu klären

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Man sieht, die Vernetzung hat es in sich. Bevor Platooning aber in der Breite auf die Straße kommt, müssen zunächst einige Hürden beseitigt werden. Um Platooning zu ermöglichen, bedarf es so zum Beispiel einer gesetzlichen Anpassung des Mindestabstands auf zehn Meter zwischen den Fahrzeugen. Um die volle Nutzung der Potenziale der Kolonnenfahrten zu ermöglichen, muss der Gesetzgeber klären, ob die Fahrer in den folgenden Fahrzeugen die Hände vom Lenkrad nehmen dürfen, um anderen logistischen Aufgaben nachzukommen.

Am runden Tisch müssen sich außerdem die Hersteller einigen. Bei der EU Truck Platoon Challenge gingen ihre Fahrzeuge mit jeweils eigenen System an den Start. Für die flächendeckende Einführung der Technologie, braucht es jedoch herstellerübergreifende Standards, die auch spontane Platoons erlauben – unabhängig von Fahrzeugmarke, -Modell und Spedition.

Zu guter Letzt müssen die Logistikdienstleister klären, wie die Einsparungen verteilt werden, so dass auch das jeweils führende Fahrzeug mitsparen kann. Bei ihm fällt nämlich der höchste Verbrauch an. Gegebenenfalls könnten sich neue Geschäftsmodelle ergeben, die das Problem lösen.