Chinas neue Seidenstraße: neue Wege auf alten Pfaden

Im Jahr 141 vor Christus wurde die Seidenstraße eröffnet, die erstmals Europa mit dem fernen Osten verband. Über das Netz von Karawanenstraßen, das vom Mittelmeer bis nach China reichte, wurden Handelsgüter aber auch Ideen und Kultur ausgetauscht.

Unter dem Motto „One Belt, One Road“ setzt China gut 2000 Jahre später dazu an, die alten Routen wiederzubeleben. Von dem Projekt sollen laut Staatschef Xi Jinping nicht nur China, sondern alle 65 Länder entlang der neuen Seidenstraße profitieren. Zusammen repräsentieren sie 4,4 Milliarden Menschen und 29 % der weltweiten Wirtschaftsleistung.

Die neue Seidenstraße auf einer Karte von Europa bis China

Die neue Seidenstraße auf einen Blick: Die Karte zeigt bestehende und geplante Verkehrswege des chinesischen Megaprojekts © Mercator Institute for China Studies

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Sechs Wirtschaftskorridore, zwei Bahnstrecken, Milliardeninvestitionen

Die geplante neue Seidenstraße darf man sich nicht als linearen Transportweg verstehen. Vielmehr handelt es sich bei dem Projekt um den Aufbau eines Netzes verschiedener Verkehrswege – zu Land und zu Wasser, die über Verbindungsrouten miteinander verknüpft sind.

Zum Projekt der Seidenstraße gehören zwei Eisenbahnlinien, die bereits heute im Einsatz sind. Über 10.000 beziehungsweise 12.000 Kilometer führen die Strecken von China bis ins Herz Europas. Seit 2011 nutzt auch DB Schenker diese Routen. Für den Kunden BMW rollt täglich ein Zug von Leipzig nach Shenyang. Die Container sind auf der Schiene nur 20 bis 23 Tage unterwegs – im Vergleich zur Seefracht etwa die Hälfte der Transportzeit.

Daneben arbeitet China seit 2014 am Aus- und Aufbau von sechs Wirtschaftskorridoren, welche die zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt über den Landweg mit den wichtigsten ökonomischen Regionen in Asien und Europa verbinden. Für deren Realisierung wird China Milliardenbeträge in überregionale Infrastrukturnetze, Straßen und Pipelines investieren. Außerdem möchte China die Kommunikation mit den betroffenen Ländern intensivieren. Laut der chinesischen Führung sollen alle Entscheidungen bezüglich der neuen Seidenstraße gemeinsam mit allen beteiligten Staaten getroffen werden.

Chinas neue Seidenstraße, Weltspiegel-Reportage vom 20.06.2016, ARD:

Der nördlichste dieser Korridore verläuft von Peking über die Nordmongolei bis ins östliche Russland. Der zweite große Korridor führt vom Osten Chinas in die westlichste chinesische Provinz Xinjian und von dort weiter über Kasachstan nach Kazan, einer Stadt in der Mitte Russlands. Aus der uighurischen Provinz Xinjian führen außerdem Wirtschaftswege Richtung Süden – nach Paktistan sowie in Richtung Westen über Kirgistan und Turkmenistan bis in den Iran und die Türkei.

Zwei weitere Wirtschaftskorridore beginnen im Süden Chinas und sollen für die Anbindung an die wichtigsten asiatischen Länder sorgen. Einer von ihnen verläuft über Myanmar und Bangladesch bis ins östliche Indien. Der zweite Wirtschaftsweg in Richtung Süden führt über Thailand bis nach Singapur.

Die maritime Seidenstraße

Wie bei der historischen plant die chinesische Führung auch für die neue Seidenstraße eine Seeroute zur Intensivierung des Handels. Die maritime Silkroad soll Südostasien mit dem mittleren Osten, Ostafrika und Europa verbinden. Auch hierfür investiert China in großem Maß in die Infrastruktur, baut und kauft Hafenanlagen und Werften – beispielsweise in Griechenland, Pakistan und Bangladesch.

Außerdem sollen auch die sicherheitstechnischen Rahmenbedingungen und die Zusammenarbeit bei Zollangelegenheiten zwischen den Staaten entlang des Seewegs gefördert werden.

“Neue #Seidenstraße: chinesisches Megaprojekt verbindet 65 Länder über See- & Landwege.“

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Für die beteiligten Staaten ist die neue Seidenstraße das wahrscheinlich bedeutendste Megaprojekt des 21. Jahrhunderts. China spricht in dem Zusammenhang sogar von einer „Schicksalsgemeinschaft“. Umgesetzt werden soll der Plan durch gemeinsame Zusammenarbeit. Erste bi- und multilaterale Vereinbarungen verleihen dieser Aussage schon jetzt Nachdruck. So einigte sich China bereits mit Russland auf die Bindung des Seidenstraßenprojekts an die Eurasische Wirtschaftsunion und die Entwicklung Sibiriens. Und auch Ungarn hat bereits einer Absichtsvereinbarung mit China zugestimmt, das Projekt gemeinsam voranbringen zu wollen.

Diese Verträge sind aber nur der Anfang langfristiger Verhandlungen mit vielen Staaten entlang der neuen Seidenstraße. Sie alle ins Boot zu holen und vom gemeinsamen Projekt zu überzeugen, dürfte China noch einige diplomatische Anstrengungen kosten.