eCommerce hat seinen Preis – Online-Handel von Lebensmitteln wächst kaum

Fastenzeit ist eine Zeit der guten Vorsätze: Frische und gesunde Lebensmittel sollen unseren Winterspeck reduzieren. Mehr Bewegung täte gut, ebenso mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge. Und weil es so einfach geht, bestellen wir im Netz und lassen schnellstmöglich liefern. Auch Lebensmittel…

E-Grocery nennt sich das Phänomen, das in anderen Industriestaaten schon seit einigen Jahren bemerkbar ist: Während in Deutschland nur ein halbes Prozent der Umsätze im Lebensmittelhandel auf das Internet entfallen, sind es in den USA 1,4 Prozent, in Frankreich immerhin fünf Prozent – und in Südkorea erstaunliche 16,6 Prozent.

Milliardenschweres Umsatzpotenzial

Dass das Geschäft in Deutschland so schleppend läuft, liegt nicht an den Kunden. Erfahrene Online-Shopper würden gerne mehr Lebensmittel oder Getränke im Netz bestellen. In den Ballungszentren hat nach einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey aus dem Jahr 2015 sogar mehr als jeder Zweite Deutsche Lust, Nahrungsmittel online einzukaufen. Rund drei Prozent des Lebensmittelhandels hierzulande – das entspricht einem Umsatz von fünf Milliarden Euro – könnten also über das Netz abgewickelt werden. Auch die großen Lebensmittelkonzerne haben längst ihre eigenen Lieferketten optimiert und effizient gestaltet – zum Beispiel mit Unterstützung von DB Schenker.

Im Hintergrund des eCommerce: Logistikdienstleistungen von DB Schenker, hier zum Beispiel im belgischen Willebroek

Kontraktlogistik für die großen Food-Konzerne: Ob in Hannover oder im belgischen Willebroek, an vielen Standorten erbringt DB Schenker viele Mehrwertdienste für namhafte Kunden aus der Lebensmittelindustrie.
© Michael Neuhaus/Deutsche Bahn

Doch am Ende der Kette, beim Konsumenten, gibt es Hindernisse, etwa ein unzureichendes Marktangebot: Die Kunden erwarten ein vollwertiges Sortiment bei ihrem Einkauf, die meisten Online-Shops für Lebensmittel aber bieten nur Obst und Gemüse, Getränke und haltbare Lebensmittel. Warengruppen wie Frischfisch, die eine besondere Kühlung erfordern, führt nur etwas mehr als ein Drittel der Shops. Und nur knapp die Hälfte der Händler stellt Tiefkühlprodukte ins Sortiment.

Außerdem ist die Logistik noch nicht ausgefeilt genug, um den komplexen Anforderungen an die Auslieferung wirtschaftlich zu genügen. Denn in Deutschland haben ein hoher Preisdruck sowie ein hoher Marktanteil der Discounter dazu geführt, dass die Preise im Vergleich zu anderen westeuropäischen Märkten niedrig sind. Das drückt die Marge und lässt keinen Raum für Experimente und ungewöhnliche Lieferideen. Zudem verteilen die Konsumenten ihre Einkäufe gern auf mehrere günstige Händler. Das heißt, die Händler müssen also ihre Angebote bündeln, um überhaupt Gewinn zu erzielen.

Zwischen Abholmodellen und Kurierdiensten

Rewe, Lidl oder Edeka liefern ausgewählte Produkte mit eigenen Kurierdiensten oder Partnern teils versandkostenfrei nach Hause. Neben der klassischen Auslieferung sind Abholmodelle denkbar, bei einem „Drive-through“ oder einer Pick-up-Station zum Beispiel. In anderen Ländern wie Frankreich gibt es mittlerweile rund 3.000 Pick-up-Stationen, an denen die Kunden vorbestellte Ware abholen können.

Nun steigt auch Amazon in diesen Markt ein: Nicht nur in den USA und in London bietet der Online-Händler über Amazon Fresh die Auslieferung frischer Lebensmittel binnen Stunden an. Auch in Berlin können Amazon-Kunden über Prime Now seit Mai 2016 Gemüse, Obst und abgepackte Lebensmittel beziehen, die innerhalb von einer oder zwei Stunden durch Kurierdienste ausgeliefert werden.

“#eCommerce: Warum bestellen wir frische Lebensmittel kaum online?“

Twittern WhatsApp

Die Händler stellen diese Entwicklungen vor immer größere Herausforderungen. Es gilt, trotz starker Konkurrenz Tempo und Wirtschaftlichkeit unter einen Hut zu bringen – und das bei einer ganz speziellen Infrastruktur. Die deutschen Kunden wiederum haben noch nicht gelernt, dass frische und gesunde Lebensmittel eben auch ihren Preis haben.