Smart Stadium – Was kann das Stadion der Zukunft?

Es ist eine Querschnittsaufgabe – das Stadion von morgen. Architekten, Designer, Ingenieure, Kommunikationsexperten und Ökologen sind gefragt, das moderne Stadion zu denken und zu realisieren. Viele moderne Stadionkonzepte sind Teil der sogenannten „Smart City“, also der intelligenten Stadt. In einer Gesellschaft, die von Informations- und Kommunikationstechnologie dominiert wird, werden diese Bereiche auch in den Stadien der Zukunft eine Rolle spielen.

Fanexperience im Smart Stadium

Unter dem Schlagwort Digitalisierung werden derzeit verschiedene Überlegungen rund um das Stadionerlebnis angestellt. Eines ist sicher. Der Stadionbesuch wird sich verändern. Erste erfolgreiche Projekte sind bereits durchgeführt worden. Wir stellen drei davon vor:

Hologramme – Mittendrin, aber nicht live dabei

Im Mai 2017 fand eine Premiere statt: die erste Hologramm-Pressekonferenz im Sport. Im virtuellen Raum fanden sich vier Fußball-Trainer von vier europäischen Fußballclubs aus vier verschiedenen europäischen Städten ein. Diese Hologramm- Pressekonferenz ist der Anfang einer Entwicklung, die für viele weitere Bereiche des Stadionerlebnisses weitergedacht werden kann: Champions-League-Viertelfinale – das Team reist zum Gegner, die Fans bleiben in der eigenen Arena und sehen und bejubeln das Spiel im eigenen Stadion. Die Hologramm-Technik macht es möglich. Wie gut die Technik inzwischen entwickelt ist, zeigt das Beispiel eines Live-Konzertes von Michael Jackson. Der King of Pop wurde post mortem per Hologramm auf die Bühne gebracht und von tausenden Fans bejubelt.

Smart Seat – das Fanerlebnis der Luxusklasse

Es muss sich anfühlen wie im Flugzeug in der First-Class – der Smart Seat im Stadion. Bequemer Sessel, der Touch Screen direkt daneben, verschiedene Unterhaltungsprogramme und Informationen rund um das Spiel. Second Screen Möglichkeiten wie zu Hause mit der besonderen und unersetzlichen Stadion-Atmosphäre. Eine Technologie, die sich sicherlich nicht in allen Bereichen des Stadions umsetzen lässt, aber im Businessbereich durchaus seine Liebhaber finden wird. Für viele andere Fans sind diese Zusatzinformationen sowie die Möglichkeit, das Spiel aus verschiedenen Perspektiven verfolgen zu können über entsprechende Datenbrillen vielleicht bald keine Zukunftsvision mehr.

Konzept Stadium-Vision

UEFA EURO 2016: Eventlogistik für das IBC in Paris

Von hier berichteten tausende Journalisten von der UEFA EURO 2016: Das International Broadcast Center. DB Schenker war für die Eventlogistik zuständig.

logistik-aktuell.com

Das in München und Leverkusen eingesetzte Konzept Stadium-Vision   gibt es unter anderem im Bernabéu-Stadion in Madrid, im Londoner Wembley Stadium und in der Amsterdam Arena. In erster Linie geht es dabei um das moderne Fanerlebnis: WLAN-Netz im gesamten Stadion, über das die Spiel- Statistiken, Video-Wiederholungen von Spielszenen und viele weitere Informationen abzurufen sind. Die Interaktion zwischen dem Verein und den Fans wird einfacher. Auch wirtschaftlich könnte diese Technologie interessant für die Vereine werden. So können zum Beispiel spontan Trikots zum Kauf angeboten werden.

Was bleibt: Stadionwurst in der Halbzeitpause

Wer in der Halbzeit kein Interesse an den zusätzlichen Infos zum Spiel hat, sondern menschlichen Bedürfnissen nachgehen möchte, dem hilft das intelligente Stadion ebenfalls: zuverlässig können die Fans erfahren, wo der geringste Andrang auf die Toiletten ist und wo die Wartezeiten auf die Stadionwurst am kürzesten sind.

Nichts ist undenkbar

Von der Mitbestimmung bei der Wahl der Trikotfarbe bis zur richtigen Aufstellung ist inzwischen vieles denkbar. Auch der „gläserne“ Spieler wird immer wahrscheinlicher: er wird mit einer Mini-Kamera ausgestattet, damit wird seine Sicht des Spielverlaufs abrufbar sein. Auch Messwerte, die Auskunft über seine Fitness geben, werden für den Zuschauer individuell verfügbar gemacht. To be continued…

“Smart Stadium, Smart City, Smart Seat – die #Stadionwelt verändert sich #fanexperience #smartstadium“

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Das Energie+ Stadion

Die Smart Stadiums werden energetisch neue Maßstäbe und auf regenerative Techniken setzen. Es wird getüftelt an neuen Materialien für den Stadionbau. Neben regenerativen Baustoffen stehen weitere Überlegungen an: Steine, die durch Bakterien aus natürlichem Zement wachsen sind eine Zukunftsvision, Fußwege aus Platten, die die Schritte der Besucher in elektrische Energie umwandeln sind eine andere. Die Arenen werden, so wird es bereits angedacht, gleichzeitig Versorger und Verbraucher, ausgelagerte Kraftwerke, Lager und Verteilstation für Strom, der andernorts genutzt wird.

Vorreiter im Bereich Smart Stadium

Als Vorreiter gelten die folgenden Arenen. Sie finden Lösungen für Zukunftsfragen in den Bereichen Energie, Sicherheit, Nachhaltige Überlegungen zum Wasserverbrauch und regenerativer Baustoffe.

 

Amsterdam Arena

http://www.amsterdamarena.nl/organization/sustainability.htm

Die Arena gilt als Best Practice-Beispiel für die Verknüpfung von Stadion mit der Smart City. Es wurde ein Speichersystem entwickelt, das die Energieverwaltung der Amsterdam ArenA effizienter, nachhaltiger und verlässlicher macht. Dafür werden 280 gebrauchte Batterien aus Elektroautos genutzt. Sie dienen als Speicher für Notstrom. Später werden sie die Dieselgeneratoren im Stadion ersetzen. Dann werden die Batterien vier Megawatt Leistung liefern und dieselbe Menge Energie speichern können. Die Arena ist auf dem Weg zum ersten Stadion der Welt, das keine fossilen Brennstoffe mehr nutzt.

 

Allianz Riviera Nizza

http://www.allianz-riviera.fr/en/introduction/sustainable-development

Energie kombiniert: Häufig wird Solarenergie mit anderen Initiativen zusammengelegt, um einen Verbund aus grünen Lösungen zu schaffen. Das Stadion nutzt eine Solaranlage aus 4.000 Paneelen, mit der es seinen Eigenverbrauch deckt – zudem wurde viel Zeit investiert, um die Arena nachhaltig zu gestalten. In der Konstruktion ist Holz verbaut. Ein Belüftungssystem lässt Wind durch den Bau strömen, um ihn zu kühlen – eine Technik, die schon die Römer genutzt haben. Außerdem bereitet das Dach Regenwasser auf und speichert es. Später wird es genutzt, um das Spielfeld zu bewässern.

 

Sport City Stadium Doha/ Katar

Die Nutzung von Wasser war auch Prämisse für Designer, die mit dem Bau der Stadien für die Fußball-WM in Katar 2022 beschäftigt waren. Die Frage lautete: Wie kühlt man ein Stadion ohne Stromeinsatz in Klimaanlagen, wenn bei Temperaturen weit über 37 Grad gespielt wird? Das Sports City Stadium nutzt Energie von einer außerhalb gelegenen Solaranlage, um Wasser aufzuwärmen, das dann in einen Lagertank auf dem Gelände transportiert wird. Das Wasser läuft durch eine sogenannte Absorptionskältemaschine in einen weiteren Tank, der 17 Grad kühle Luft ausstößt. Dadurch wird das gesamte Stadion auf einer Temperatur unter 26 Grad gehalten.

 

Stadion Estadio Chivas Mexiko

http://estadiochivas.mx/tecnologia-y-sustentabilidad/

In Mexiko setzt man auf ein umweltfreundliches Stadion: Regenwasser wird recycelt, Energie aus Wind gewonnen. Zugleich soll es sich möglichst gut in die örtliche Flora und Fauna einfügen. Darum sind seine Außenwände mit Gras bewachsen.

 

Stadion Siena Italien

Ebenfalls als Zukunftsmodell gilt das Stadion von Siena in der italienischen Toskana. Es ist so gestaltet, dass es teilweise in der Landschaft versinkt. Dadurch steht es in Einklang mit der Topografie und spendet natürlichen Schatten.

 

Forest Green Rovers Stadium England

Besonders radikal beim umweltfreundlichen Stadionbau ist ein kleiner englischer Fußballverein. Er lässt derzeit das weltweit erste Holzstadion erbauen. Das Gebäude, gestaltet von Zaha Hadid Architects, wird fast vollständig aus nachhaltig geschlagenem Holz bestehen.

 

Estádio da Luz Lissabon

Die Modernisierung des Estádio da Luz soll zukünftig Maßstäbe in Bezug auf das Fan-Erlebnis sowie die Sicherheit setzen. Aufbauend auf einer standardisierten Plattform, integriert es Gerätedaten, Datenanalysen und neue Technologien Über eine einheitliche Bedienoberfläche kann das Stadionmanagement alle wichtigen Sicherheitsfunktionen überwachen. Das Sicherheitspersonal kann Lautsprecherzonen individuell ansteuern, um für die jeweilige Zone passende Durchsagen zu machen oder Hintergrundmusik laufen zu lassen; das Alarmsystem löst im Notfall automatisch aufgezeichnete Sprachdurchsagen aus. Das Personal kann in Gefahrensituationen die Lage per Video verfolgen und über die Lautsprecher in der jeweiligen Gefahrenzone gezielt Sprachhinweise zur sicheren Evakuierung des Gebäudes geben.

 

Kansas City Stadium

Die Vorreiter des digitalen Fanerlebnisses sitzen in den USA. Es wurde ein umfangreiches Konzept entwickelt, um die rund 18.500 Zuschauer mit vielen digitalen Spielereien zu unterhalten. Die Fans zu vernetzen, war der zentrale Punkt bei der Planung des Stadions. Mit dem Smartphone können die Fans Informationen abrufen, an Gewinnspielen teilnehmen, Grüße versenden und aus mehreren Videokanälen wählen. Unter anderem werden über die Stadion-App exklusive Kameraperspektiven angeboten. Sogar die Halbzeitansprache des Trainers an seine Mannschaft wird aus der Kabine übertragen.