Interview mit Detlef Kurzbuch, Leiter Logistics Development & Strategy der Schenker Deutschland AG

Automotive: Auf die Implementierung der Prozesse kommt es an

Für die Weltpremiere des neuen Sprinters wählte Daimler als Bühne das neu erbaute Logistikzentrum im Ruhrorter Hafen. 250 Journalisten reisten aus diesem Anlass nach Duisburg in die neuen Hallen von DB Schenker. Vom duisport aus wird DB Schenker künftig Teile und Fahrzeugkomponenten für das weltweite Produktionsnetzwerk des Geschäftsfeldes Mercedes-Benz Vans konsolidieren, verpacken und verschiffen.

Logistik aktuell traf sich im Vorfeld der Veranstaltung mit Detlef Kurzbuch, dem Leiter Logistics Development & Strategy der Schenker Deutschland AG, um ihm ein paar Fragen zur Bedeutung der Automobillogistik bei DB Schenker zu stellen.

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Detlef Kurzbuch: Die Branche ist durch und durch geprägt von einer Globalisierung der Produktions- und Liefermärkte. Fahrzeuge werden in China, Südamerika oder USA montiert, die Teile dazu kommen aus Europa und von weltweiten Zulieferern. Wir haben es also immer mit internationalen, verkehrsträgerübergreifenden Transportwegen zu tun. Dazu kommt bei allen Herstellern in den letzten Jahren eine zunehmende Anzahl von jährlichen Fahrzeuganläufen. Dahinter steckt der massive Trend zur Erhöhung der Anzahl von Modellderivaten und der kundenspezifischen Ausstattung von Fahrzeugen. Diese Vielfalt gehört heute einfach zur Markenidentität der großen OEMS. Und zu jedem Fahrzeuganlauf weltweit gehört ein eigener komplexer Lieferstrom der Teileversorgung.

Doch damit nicht genug. Die Komplexität dieser Logistikprozesse ist gepaart mit den überdurchschnittlich hohen Qualitätsanforderungen der Branche. Es gibt wohl keine Industrie, in der die Null-Fehler-Zielsetzung so rigoros gelebt wird wie in der Automobilherstellung. Dieser Qualitätsanspruch erstreckt sich ausnahmelos auf alle am Prozess beteiligten Partner. Und der Logistik mit ihren zahlreichen Schnittstellen entlang der Supply Chain kommt dabei eine ganz besondere Verantwortung zu.

Ein Beispiel für diese branchentypische Herausforderung sind unsere Aktivitäten in unserem neuen Logistikzentrum im Duisport. Von dort aus konsolidieren, verpacken und verschiffen wir Teile und Fahrzeugkomponenten für das weltweite Produktionsnetzwerk des Geschäftsfeldes Mercedes-Benz Vans.

Detlef Kurzbuch, Leiter Logistics Development & Strategy der Schenker Deutschland AG

„Die Robustheit und Flexibilität der Supply Chain, die für die in der Automobilindustrie geforderte Qualität und Effizienz notwendig sind, erreicht man nur mit profunden Branchenkenntnissen und Erfahrung.“

logistik aktuell: Welche Voraussetzungen muss ein Logistikunternehmen zur Realisierung solch einer Aufgabenstellung mitbringen?

Detlef Kurzbuch: Als Gesamtverantwortlicher für die Umsetzung solcher Lieferströme braucht man eine gewisse Größe und ein weltweites Netz im Landverkehr per Bahn und LKW sowie in der Luft- und Seefracht. Dazu kommen Ressourcen und Erfahrung in der Kontraktlogistik und dem Supply Chain Management. Aber Größe, technische Ausstattung und Bandbreite allein reichen nicht. Die Robustheit und Flexibilität der Supply Chain, die für die in der Automobilindustrie geforderte Qualität und Effizienz notwendig sind, erreicht man nur mit profunden Branchenkenntnissen und Erfahrung.

Wir arbeiten weltweit seit Jahrzehnten für OEM der Automobilindustrie. Wir wissen, worauf es ankommt, und unsere Expertise führt in Kooperation mit den Kunden und allen weiteren Beteiligten zu erprobten, sicheren und reproduzierbaren Prozessen.

“Konsolidierung, Verpackung, Distribution – DB #Schenker organisiert weltweite #Automobillogistik vom #Duisport aus.“

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Detlef Kurzbuch: DB Schenker entwickelt sich permanent weiter und orientiert sich dabei an den entscheidenden Trends und Einflussfaktoren, die die Logistik der Zukunft maßgeblich prägen werden. Forschung und Entwicklung, Innovation und Digitalisierung sind dabei an oberster Stelle zu nennen. Aber auch Bereitschaft und Initiative, bestehende und etablierte Lösungen der Autoindustrie aufzugreifen und zu überdenken gehören dazu. Hierbei kommt auch der gemeinsamen Entwicklung zusammen mit dem OEM eine immer größere Bedeutung zu. Statt nur auf Ausschreibungen zu ‚warten und zu reagieren‘ sind wir als DB Schenker aufgrund unserer Kompetenz und Größe wie kein anderer Logistikpartner in der Lage, in gemeinsamen Teams mit den OEM neue Lösungen zu entwickeln.

Als ganz aktuelles Beispiel sind hier zu nennen, die gemeinsame Entwicklung mit einem OEM eines weltweit neuartigen und teilautomatisierten Vorverpackungscenters für Ersatzteile sowie ein bereits laufender, groß angelegter Pilot in der Teiledisposition für einen Premium OEM in Deutschland. Bei letzterem disponiert DB Schenker bereits über 25.000 Teilenummern täglich und übernimmt die Verantwortung für die Supply Chain von der Teilenachbestellung beim Lieferanten bis ans Band des OEM.