Autonomes Fahren: Wem gehören die Daten?

Autonomes und automatisiertes Fahren sind auf dem Vormarsch. Aber wem gehören die erzeugten Daten? Gibt es ein Dateneigentum? Wer darf über sie verfügen? Wer darf sie auswerten und auf ihrer Grundlage neue Geschäftsmodelle entwickeln? Diese Fragen sind nicht nur für den einzelnen Fahrer und die Autohersteller interessant, sondern auch für die Logistiker. Wenn sie ihre Geschäftsmodelle weiterentwickeln wollen, benötigen sie jede Menge Informationen – und müssen deshalb vorher wissen, welche Daten sie nutzen können.

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Jede Stunde fallen mehrere Gigabyte Daten an

Beim Betrieb von Fahrzeugen fallen schon heute große Mengen an Informationen an. In heutigen Serienfahrzeugen sind das mehrere Gigabyte pro Stunde, zu Motortemperatur, Ölstand, Geschwindigkeit, Reifendruck, Route oder zum individuellen Fahrverhalten. Hinzu kommen Daten zum Wetter oder zur aktuellen Verkehrslage. „Hier liegen echte Potenziale für gesellschaftlichen Fortschritt und neue Geschäftsmodelle – das beginnt bei einer intelligenten Parkplatzsuche und geht bis hin zu einer vorausschauenden statt einer prophylaktischen Wartung“, sagt Dr. Maik Böres, Vorsitzender der Fokusgruppe Connected Mobility im Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW). „Das macht deutlich, wie wertvoll solche Daten sein können, wenn sie entsprechend verarbeitet und analysiert werden.“

Dr. Maik Böres, BVWD

„Kern der Diskussion ist also nicht das Eigentum an, sondern die Nutzung von Daten.“

Gibt es ein Dateneigentum?

Dabei weist der BDWV darauf hin, dass die aktuelle Rechtslage eindeutig ist: Daten sind nicht eigentumsfähig. Sie gehören also niemandem. Derzeit jedoch diskutieren Verbände, Industrie und Politiker darüber, ob es sinnvoll ist, per Gesetz ein Dateneigentum einzuführen. „Oftmals geht es nicht darum, ob die Daten einzelnen gehören, sondern vielmehr um die Hoheit der Bürger über die Verwertung ihrer persönlichen Daten“, sagt Böres. „Kern der Diskussion ist also nicht das Eigentum an, sondern die Nutzung von Daten.“
Da zeigen sich die Akteure oft pragmatisch. Logistiker wie DB Schenker setzen häufig auf eine partnerschaftliche Kooperation bei der Nutzung der Daten, die zum Beispiel beim Einsatz von autonomen Fahrzeugen anfallen. „Diese Daten gehören den einzelnen Projektpartnern, die sie erheben“, sagt Dr. Chung-Anh Tran, Projektleiter Platooning. „Die Partner tauschen die projektrelevanten Daten untereinander aus, um gemeinsam das Vorhaben weiterzuentwickeln.“ Weil autonome Fahrzeuge allerdings von Fahrern begleitet und beaufsichtigt werden, können Daten auch dem einzelnen Fahrer zugeordnet werden. In diesem Fall werden sie anonymisiert, bevor sie ausgewertet werden.

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Wer hat die Hoheit über die Daten?

Doch kann dieses partnerschaftliche Modell auf die ganze Branche angewendet werden? Daran scheiden sich die Geister. So würden die Autohersteller gerne die Hoheit über die Daten behalten, die beim Fahren anfallen. Das sehen viele kritisch, weil zum einen der persönliche Datenschutz der Autofahrer gefährdet sei. Zum andern erhebe die Autoindustrie Daten im Namen der Sicherheit oder des besseren Verkehrsflusses, um sie aber für andere – gewinnbringende Zwecke – zu nutzen.
Auch die Versicherungsunternehmen würden gern die Daten frei auswerten können. Sie könnten Tarife damit vom nachweisbaren Fahrverhalten ihrer Kunden abhängig machen.
Ein anderer Ansatz ist, die Datenhoheit den Fahrern selbst zuzusprechen. Das will auch die Mehrheit der Deutschen, wie der Digitalverband Bitkom mit dem Verband der TÜV-Unternehmen herausgefunden hat. Weniger als die Hälfte würde allerdings die Daten Dritten zur Verfügung stellen – und das auch nur, um zum Beispiel den Verkehr zu verbessern oder Straftaten aufzuklären.

Welche Daten sind überhaupt notwendig?

Noch nicht geklärt ist, welche Informationen die Unternehmen überhaupt nutzen und erheben wollen. Manche Firmen fordern die generelle Bereitstellung der Daten, andere wünschten sich Einsicht in die für den Fahrer relevanten Daten. Auch Wetter- und Verkehrslage-Daten sind interessant, aber auch Positionsdaten sowie Geschwindigkeits-, Beschleunigungs- und Bremsdaten, so Bitkom. Nur die Wartungsdaten eines Fahrzeugs waren dagegen bisher für die Unternehmen eher uninteressant.

“#Autonomes und #automatisiertes Fahren erzeugt Unmengen an #Daten. Aber wer darf sie verwenden?“

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Doch auch dies könnte sich bald ändern. Weil der Wettbewerbsdruck steigt, müssen Unternehmen ihre Geschäftsmodelle weiterentwickeln. Und dazu gehören nun mal immer mehr Daten. Außerdem ist heute noch nicht absehbar, welche Services und Geschäftsmodelle künftig Fertigung, Transport und Handel einfacher machen. Sicher, die Zukunft liegt in den Daten. Nur muss sie auch gefunden werden.