Über die Schiene nach China

Im 20. Jahrhundert gab es für den Warenaustausch zwischen China und Europa zwei Verkehrsmittel: Schiff und Flugzeug. Das erste ist verhältnismäßig günstig, man muss aber für den Seetransport je nach Start und Ziel rund 6 Wochen einplanen. Die Luftfracht braucht nur wenige Tage, aber mehr Geld. Nun etabliert sich der dritte Weg.

Neue Seidenstraße – „One belt – one road“

Im Jahre 2011 nahm der Duisburger Hafen (Duisport) den regelmäßigen Schienengüterverkehr zwischen Ruhrgebiet und Chongqing auf. Die 30-Millionen-Stadt in der Region Südwestchina gehört zu den bedeutendsten Industriestandorten der Welt.

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Die Strecke über Polen, Weißrussland, Russland, Kasachstan und durch weite Teile Chinas wird gerne mit dem geradezu romantischen Namen „Neue Seidenstraße“ belegt. Das erinnert an die seit dem zweiten Jahrhundert vor Christus bekannte Handelsroute. Allerdings ist ihre neue Version weit mehr als der mit Stahlschienen und Betonschwellen ausgebaute Karawanenpfad früherer Zeiten. Damals verkehrten edle Gewürze, seltene Steine, Elfenbein und – natürlich! – Seide in überschaubaren Chargen zwischen China, arabischen Ländern und Europa. Heute geht es um Massenprodukte wie Elektrogeräte, Elektronik-Bauteile und Textilien. Deshalb hat sich neben Neue Seidenstraße ein wesentlich moderner klingender Name durchgesetzt: „One belt – one road“.

40 Züge – 40 Container – 40 Fuß

Mittlerweile wickelt Duisburg wöchentlich bis zu 40 Züge ab, die über die Neue Seidenstraße pendeln. Jeder befördert rund 40 Seefrachtcontainer – sie sind 40 Fuß lang (rund 12 Meter). Für die 11.000 Kilometer lange Strecke nach Chongqing braucht der Zug zwei Wochen. Aber das ist nur eines von vielen Zielen. Ab Duisburg erreichen die Versender 12 Destinationen im Reich der Mitte.

Dabei hat nicht nur Duisport den Schienengüterverkehr in Richtung Ferner Osten für sich entdeckt. Von den 80.000 Sportwagen, die Porsche jährlich nach China verkauft, erreicht mittlerweile jeder 10. sein Ziel per Bahn. Das gab der Stuttgarter Autobauer Ende März bekannt. Oliver Bronder, Leiter Logistik und Produktionssteuerung bei Porsche, sagte dazu: „Unsere Kunden im Südwesten Chinas kommen deutlich schneller an ihr neues Fahrzeug.“ Der Transport zwischen Werk und Vertragshändler dauert unter Einbindung des Schiffs 50 Tage. „Der insgesamt 20 Tage lange Bahntransport verkürzt die Fahrzeuglogistik – trotz verschiedener Spurweiten und mehrfachen Umsetzens der Container – um bis zu drei Wochen.“ Die russische Spur misst 1.520 Millimeter, die mitteleuropäische Normalspur ist knapp 10 Zentimeter schmaler. Deshalb muss die Fracht zwischendurch umsteigen.

Vom Pazifik zum Atlantik

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Die Meldungen von neuen Verbindungen häufen sich. Seit Herbst 2018 geht es von Mannheim aus ebenfalls über die Schiene nach China. Im April 2019 startete ein Pendel-Güterzug zwischen dem Terminal Bettemburg-Düdelingen in Luxemburg und dem internationalen Eisenbahn-Hub Chengdu Qingbaijiang in der chinesischen Provinz Sichuan. Zwischen Hamburg und China sind wöchentlich 200 Züge unterwegs.

Auf praktisch allen Verbindungen fährt auch Ware im Auftrag der Schenker Deutschland AG mit. Firmengründer Gottfried Schenker hatte schon vor knapp 150 Jahren Sammelgüter per Bahn quer über den Kontinent verschickt. Jetzt geht es halt bis Asien oder von Asien nach Europa – die Fachwelt spricht von Eastbound beziehungsweise Westbound. Sammelverkehre aus Asien für Polen und Schweden wickelt DB Schenker ebenfalls ab. Und für besonders große Lieferungen bringt der Logistiker auch Ganzzüge exklusiv für einen einzelnen Kunden auf die Schiene.

“Über die #NeueSeidenstraße rollen etliche Züge. Sie bringen Europa und Asien noch ein Stück näher zusammen.“

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Seit Ende 2018 verkehrt ein Zug zwischen Yiwu (250 Kilometer südlich von Shanghai) und Köln. Im Hafenterminal am Rhein werden die Container umgeladen, viele reisen per Zug weiter bis nach Madrid. Damit reicht die Neue Seidenstraße fast vom Pazifik bis zum Atlantik. Fast.

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