Digitalisierung und E-Commerce in Afrika: Afrika macht Bocksprünge und besitzt sein erstes Einhorn

Amazon hat sich an Afrika bisher genauso die Zähne ausgebissen wie der chinesische Konkurrent Alibaba. Denn für den E-Commerce sind vor allem die (nicht vorhandene) Infrastruktur der zentralafrikanischen Staaten eine hohe Hürde. Wie bestellen, wenn Festnetzanschlüsse fehlen? Wie online bezahlen, wenn die meisten Menschen kein Bankkonto haben? Jumia versucht es trotzdem und bezeichnet sich gern als das Amazon Afrikas.

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Jumia wurde 2012 in Nigeria gegründet und ist sowohl Onlinehändler als auch Onlinehandelsplattform. Das Unternehmen kennt afrikanische Infrastruktur und Käuferverhalten besser als die fremden Konkurrenten dies tun und passt sich an – zum Beispiel mit der Option beim Erhalt der Ware bar bezahlen zu können oder mittels M-Pesa, der afrikanischen Digital-Währung. Oder auch indem es eigene Paketzusteller anstellt, um trotz des schlecht ausgebauten KEP-Marktes einiger afrikanischer Staaten dort liefern zu können.

Jumia zählt aktuell 4,3 Millionen Nutzer und 81.000 aktive Verkäufer. Diese Zahlen gelten zwar als gebläht, sind aber auch nach Abzug von 20-30 Prozent ‚Verschönerung‘ immer noch ein beeindruckender Beginn für Afrikas E-Commerce. Im April 2019 ist Jumia an die New Yorker Börse gegangen. Vorher wurde es bereits als erstes afrikanisches Technologie-Unternehmen mit über einer Milliarde US-Dollar Marktwert bewertet, was es zum ersten afrikanischen Einhorn in der Finanzwelt macht.

Doch es gibt auch andere afrikanische Onlinehändler wie zum Beispiel Takealot.com. Dieses südafrikanische Unternehmen ist seit 2011 aktiv und gehört mittlerweile mehrheitlich Naspers, dem größten afrikanischen Medienkonzern.

Leapfrogging in Afrika

Wo breitet sich das Internet am schnellsten aus? Europa oder USA bestimmt nicht. China auch schon lange nicht mehr. Laut Global Digital Report besitzt Afrika die größten Nutzerzuwachsraten, von jährlich über 20 Prozent. Das liegt natürlich an der noch sehr niedrigen Durchdringung. Doch Afrika holt mit großem Tempo auf. Dabei machen die Länder ganze Technologie-Sprünge: Denn vor allem im Subsahara-Raum gilt: Mobile Only!

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Stationäre Internetverbindungen gibt es in Zentralafrika kaum. Und anstatt die notwendige Infrastruktur mühsam zu installieren, wird das Internet einfach direkt ausschließlich über das Mobilfunknetz genutzt. Die komfortable, aber teure Technologiestufe der Festnetz-Verbindung wird einfach übersprungen. Leapfrogging (dt. Bockspringen) nennt man dieses Verhalten, wenn eine oder mehr Stufen eines technologischen Entwicklungsprozesses übersprungen werden. Durch die Digitalisierung gelingt es Afrika und anderen Entwicklungsregionen technologisch zu den Industriestaaten etwas aufzuschließen, etwa in den Bereichen IT-Infrastruktur und bargeldlosem Zahlungsverkehr. Denn viele teure Infrastruktur der entwickelten Welt lässt sich direkt digital abbilden und spart den armen Ländern damit immense Entwicklungskosten ein.

M-Pesa zum elektronischen Bezahlen

Ein weiteres Beispiel für Leapfrogging ist die Mobil-Währung M-Pesa, die quasi ein Bankkonto ersetzen kann. Das ist nicht nur praktisch, sondern ein ganzer Entwicklungssprung für die M-Pesa Nutzer, die ein Bankkonto gar nicht eröffnen könnten, weil entweder die Filiale fehlt oder das Einkommen zu niedrig ist. Mit M-Pesa können Menschengruppen an einem elektronischen Bezahlverkehr teilnehmen, der vorher absolut undenkbar für sie gewesen ist. 2007 wurde M-Pesa von dem kenianischen Mobilfunkunternehmen Safaricom in Kooperation mit Vodafone eingeführt, seitdem ist M-Pesa in zunehmend mehr Entwicklungsländern verfügbar, auch außerhalb Afrikas.

“#Jumia möchte Afrikas #Amazon sein. Erstes afrikanisches #Einhorn ist die #E-Commerce Plattform in jedem Fall.“

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Mark Zuckerberg besuchte 2016 sogar persönlich das kenianische Unternehmen, um sich über Mobile Payment zu informieren. Seine geplante Digital-Währung Libra ist in vielerlei Hinsicht nur ein Me-too-Produkt zum erfolgreichen M-Pesa.

Über M-Pesa und weitere kenianische Digital-Startups informiert auch dieser Tagesschau-Beitrag.

Unter anderem fertigt da das Hinterhof-Startup ‚African Born 3D-Printing‘ oder kurz ‚AB3D‘ aus dem Wohlstandsschrott der Industriestaaten 3D-Drucker an, um dringend notwendige Ersatzteile aus recyceltem Plastik vor Ort produzieren zu können. Afrikanischer Gründergeist!

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