Automatisierte Entladung verlangt nach enger Kooperation

Automatisierung konkret: Abseits von den theoretischen Konzepten zur Umstellung einer ganzen Dienstleistungsbranche auf digitale Tools haben Logistiker schon viele kleine, konkrete Aufgaben automatisiert. DB Schenker zum Beispiel erprobt schon viele Verfahren, um die Logistik sinnvoll zu automatisieren, ob im Warehouse oder durch autonome Fahrzeuge.
Doch der automatisierte Materialfluss ist eine der großen Herausforderungen für die Logistiker. Noch sind die Hindernisse entlang der gesamten Lieferkette zu groß, um weitere Prozesse zu digitalisieren und zu automatisieren. Das bremst schnellere und effizientere Abläufe, zum Beispiel bei der Be- und Entladung von Fahrzeugen. Unvorhergesehene Wartezeiten beim Be- und Entladen gehören aber zu den größten Stressfaktoren der Lkw-Fahrer, hat der Autozulieferer ZF Friedrichshafen in seiner Zukunftsstudie Fernfahrer herausgefunden. Gerade im städtischen Verteilerverkehr sorgen Staus und lange Wartezeiten an den Rampen der Kunden dafür, dass geplante Stopps nicht eingehalten werden, um die Arbeitszeit der Fahrer nicht zu überschreiten.

Umschlag bei Bayer in Dormagen

Einige Unternehmen betreiben schon seit Jahren automatische Entladungsprozesse, um Zeit, Material und Personal zu sparen. So setzt beispielsweise der Chemiekonzern Bayer in Dormagen auf einen automatischen Umschlag. Die Paletten werden für das automatische Lkw-Beladungssystem gescannt, geprüft und vorsortiert. Anschließend werden die Paletten für den Transport verpackt und ins Hochregallager oder zur automatischen Beladung geschickt. Im Wareneingang wird die Fracht über ein automatisches Schubboden-System aus dem Lkw gezogen, registriert und einem Ort im Werk zugeordnet.

Systematisches Gewusel im Hub | logistik aktuell

Mächtig was los am Nürnberger Hub. Täglich verlädt DB Schenker dort rund 2.600 Tonnen Stückgut für Ziele in Deutschland und ganz Europa.

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Oder der Stahlhersteller Thyssen Steel Europe (TSE): Auf der diesjährigen Messe transport logistic in München wies Bert Kloppert von TSE darauf hin, wie wichtig gut organisierte Zeitfenster sind, um teure Standzeiten von Lastwagen im Werk zu vermeiden. Kloppert ist zuständig für die Weiterentwicklung der Werkslogistik und sprach im Forum „Kampf an der Rampe!“ über die Aufgabe, die Zufahrt im Duisburger Werk zu regeln. Das Werk von der Größe des Fürstentums Monaco weist geschätzte 21.000 Ein- und Ausfahrten am Tag auf. Dafür hat der Stahlhersteller massiv in digitale Prozesse investiert: QR-Codes, digitale Torkontrollscheine, Kennzeichenerkennung und intelligente Ampel- und Schrankenschaltungen sorgen dafür, dass pünktliche Fahrer in Windeseile wieder vom Hof sind.

Doch kommt es bei der Weiterentwicklung der Logistik auf die Digitalisierung im Vorfeld bei allen Beteiligten der Lieferkette an. TSE-Mann Kloppert erzählte, dass das Unternehmen den Zulauf besser steuern könnte, wenn es sich mit der Telematik der Zulieferer abstimmen könnte. Dem aber steht neben dem Datenschutz die Tatsache entgegen, dass viele Zulieferer und Dienstleister technisch noch nicht so weit sind.

Partner im Netzwerk

Denn die Automatisierung entlang der Lieferkette setzt voraus, dass die beteiligten Unternehmen als wirkliche Partner in den Netzwerkstrukturen zusammenarbeiten. Auch müssen die Beteiligten der Liefer- und Produktionskette in der digitalen Wirklichkeit in der Lage sein, relevante Daten zu erheben und zur Verfügung stellen zu können. Eine intelligente, sich selbst steuernde und miteinander vernetzte Logistik wird dann Alltag, wenn eine intelligente Datenaufnahme, -speicherung und -analyse sowie die Verteilung von Informationen durch Mensch und Maschine funktionieren.

“Stau an der Rampe? Nur gemeinsam können Logistiker mit ihren Kunden und Dienstleistern den Prozess durch Automatisierung effizienter gestalten. #Automatisierung #Logistik“

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Eine Umfrage im Auftrag des Digitalverbandes Bitkom zeigt: Viele kleine und mittlere Unternehmen wissen zwar, dass die Digitalisierung Transporte schneller machen, Kosten senken, Fehler eliminieren und umweltfreundlicher sind, doch der Durchdringungsgrad digitaler Techniken ist noch gering, die Kosten der Erstinvestition sind hoch. Digitale Tools und automatisierte Verfahren wie die Be- und Entladung sind für viele kleine und mittlere Dienstleister schlicht zu teuer.

Kann die Automatisierung helfen, den Fachkräftemangel in der Logistik zu bekämpfen?