Die Zukunft unserer Städte – Herausforderung Urbane Logistik (Teil 3/3)

Lust auf was Neues machen: Verkehrswende erfordert Verhaltensänderung

Eingeschliffenes Verhalten zu ändern ist für die meisten Menschen schwierig. Je länger eine Routine eingeübt ist, desto seltener wird sie infrage gestellt. Eines der besten Beispiele ist der tägliche Weg zur Arbeit. Doch die urbane Verkehrswende fordert erhebliche persönliche Verhaltensänderungen der Städter und Pendler ein. Oftmals prallen unvereinbare Vorstellungswelten aufeinander. Dabei ist der der Weg noch lang zur urbanen Verkehrswende mit multimodalem Verkehr, also der kombinierten Nutzung verschiedener Transportmittel wie ÖPNV, Car-Sharing, Fahrrad usw. Wie können hier Anspruch und Wirklichkeit näher zueinanderkommen?

Was sagt der Status quo über die Zukunft der Urbanen Logistik aus? | logistik aktuell

Prognosen über das KEP-Aufkommen und andere verkehrsrelevante Trends zeigen auf, wie dringend ein Konzept für die Urbane Logistik 2030 ist.

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Agora Verkehrswende, eine gemeinsame Initiative der Stiftung Mercator und der European Climate Foundation, möchte mit einem Impulspapier den Kommunen und Städten helfen, die erwünschten Verhaltensänderungen im Straßenverkehr den Bürgern schmackhafter zu machen. Kommunikation ist das Zauberwort. Der notwendige Lebens- und Verkehrsstil soll mit einem modernen und erstrebenswerten Lebensgefühl ‚aufgeladen‘ werden. Denn was chic ist, das erstrebt man eher, und man überwindet dadurch leichter Widerstände, die der Verhaltensänderung entgegenstehen. So die Theorie. In der Praxis gibt es mietbare E-Scooter mit zweifelhaftem Image.

Berlin zeigt, wie es geht 

Die urbane Verkehrswende setzt nicht nur neue Transportmittel und -wege voraus. Sie setzt beim Thema Personenverkehr vor allem eine Verhaltensänderung der Stadtbewohner voraus. Nicht jeder fährt gerne Rad. Car-Sharing kennen die Wenigsten. Der ÖPNV hat, oftmals zu Unrecht, ein schlechtes Image. Eine städtische Verkehrswende kämpft also nicht nur mit dem Problem der rein technischen Umsetzung, sondern genauso mit dem Problem, dass nachhaltige Verkehrsmöglichkeiten von den Bewohnern entweder gar nicht oder noch zu negativ wahrgenommen werden. Kommunikationskampagnen können dies ändern.

Die Berliner Verkehrsbetriebe zeigen mir ihrer bereits seit 2015 laufenden Langzeit-Kampagne #weilwirdichlieben, wie man das negative Image des Berliner ÖPNV durch gut gemachte PR nachhaltig verbessern kann. So verspricht beispielsweise in dem viralen BVG-Hit „Is mir egal“ die morgendliche Fahrt mit Berliner Bussen und U-Bahnen zu einem Erlebnis zu werden. Man hat etwas zu erzählen, wenn man den ÖPNV benutzt, und die BVG stellen sich als tolerante Verkörperung des vielgestaltigen Berlin dar.

In anderen Clips der Kampagne werden Hass-Tweets gegen die BVG von Mitarbeitern vorgelesen, und dadurch in einen anderen, lustigen Rahmen gebracht. Ebenso wird in dem Clip „Alles Absicht“ eine witzige Erklärung für die Unzulänglichkeiten der BVG gegeben.

Reframing, also das Umdeuten und Neuinterpretieren eines Sachverhalts, indem man ihn in einen anderen Zusammenhang setzt, wird auch in oben angesprochenem Impulspapier als Kommunikationstechnik neben anderen PR-Instrumenten empfohlen.

Die Mobilitätsbedürfnisse aller Verkehrsteilnehmer beachten

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Die Verkehrswende lässt sich jedoch nicht allein dadurch erzielen, dass die Benutzung des ÖPNV als cool empfunden wird. Zuerst einmal muss über alternative Verkehrsmittel informiert werden, für wen sie praktisch sind und wie sie überhaupt funktionieren. Das gilt für ÖPNV-Modaltickets und (Kleinst-)Mietfahrzeuge aller Art. So sind jugendliche Hipster nur eine überschaubare Minderheit, die noch dazu sehr schnell aus dieser Zielgruppe herauswachsen. Nicht alle Personengruppen im Straßenverkehr können gleichermaßen an allen Mobilitätslösungen teilhaben. Zum Beispiel Car-Sharing mag für den Hipster und genauso für das ältere Ehepaar praktisch sein, für die Familie mit Kleinkindern und dementsprechenden Kindersitzen ist es nahezu undurchführbar. Der private Pkw als zeitweilige und streckenweise Mobilitätslösung besitzt in der Debatte über multimodalen Verkehr genauso seine Berechtigung wie das Fahrrad oder der ÖPNV.

Noch wichtiger als Information und Motivation ist es aber die Gelegenheiten für die Benutzung alternativer Verkehrsmittel zu schaffen durch den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs inklusive günstiger Modaltickets für verschiedenste Fortbewegungsmittel. Gelegenheit, Information und Motivation zusammen können dann eine nachhaltige Verhaltensänderung bewirken zum individuellen Vorteil aller Verkehrsteilnehmer.

Was benötigt die Verkehrswende am meisten, damit mehr Menschen multimodal mobil werden?