Logistikkongress in Berlin: drei Tage Ermutigung

Nach drei Tagen hat der Deutsche Logistikkongress am 25. Oktober in Berlin seine Pforten geschlossen. Mehr als 3.000 Teilnehmer waren in diesem Jahr dabei und erlebten unter dem Motto „Mutig machen“ abwechslungsreiche und kommunikative Tage.
Das Motto war gut gewählt, denn einige Themen trüben aktuell die Stimmung: Branchen wie die Automobil- und Chemieindustrie geht es nicht mehr so gut wie im vergangenen Jahr – und das beeinflusst auch die Perspektiven der Logistiker. Hinzu kommen politische und wirtschaftliche Risiken, die die Prognosen dämpfen.

Sascha Lobo

„Nicht die Technologien verändern die Welt, sondern die Art und Weise, wie die Leute sie nutzen.“

Auch verlangen schwierige Themen wie der Fachkräftemangel und der digitale Wandel weiterhin viel Aufmerksamkeit. 65 Stunden Kongressprogramm und rund 150 Rednerinnen und Redner boten viel Raum, um sich auszutauschen – und vielleicht sogar gegenseitig zu ermutigen.

Umfangreiche Diskussionen auf dem Logistikkongress

Auch Führungskräfte von DB Schenker diskutierten in Foren und bei Podiumsdiskussionen mögliche Lösungen. So moderierte beispielsweise Lisette Nap, Vice President Ocean Solutions – Global Ocean Freight bei der Schenker AG, eine Diskussion über das Kapazitätsmanagement. Dabei ging sie zusammen mit den Teilnehmenden der Frage nach, wie smart aktuelle Logistiklösungen auf die aktuellen Probleme wie den Fahrermangel oder Verkehrsstaus auf der letzten Meile reagieren.

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Das Thema Nachwuchsmangel beschäftigte ebenfalls die Kongressbesucherinnen und -besucher. Dabei ging es nicht um Fachkräfte, sondern grundlegend um junge Menschen, die es für die vielen verschiedenen Berufe in der Branche zu gewinnen gilt. „Wie bilden wir Nachwuchs aus und binden ihn anschließend?“ Dieser Frage ging beispielsweise die Thesis Conference nach. Dort stellten Young Professionals Aufgaben vor, die sie mit teils beeindruckenden Ergebnissen für ihre Abschlussarbeit bearbeitet hatten. Die Palette reichte dabei von niederschwelligen Blockchain-Anwendungen in der Logistik bis zu komplexen Lösungen im Flottenmanagement, um dem Fahrermangel entgegenzuwirken.

Angeregte Diskussionen in den Fachforen

Beachtung fand auch der Vortrag von Andreas Scheuer, Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, auf dem Kongress. Er stellte Zukunftsszenarien in der Logistik vor, zum Beispiel das Tracking von Containern über Sensoren und RFID-Technologie oder Lieferketten mit alternativen Antrieben. Dabei unterstrich er die Bedeutung von politischen Konzepten, um Projekte der Wirtschaft zu begleiten. Grundlage für die Umsetzung neuer Technologien und Konzepte sind aus Sicht Scheuers eine bessere und reibungslosere Umsetzung von Ideen sowie ein schnelles Internet.

In vielen Fachsequenzen beschäftigen sich die Teilnehmenden und Vortragenden mit den Herausforderungen der Logistik wie globale Supply Chains, Transportstrukturen in Europa und Resilienz. Auch die verschiedenen Facetten des digitalen Wandels – künstliche Intelligenz, autonome Logistik, analytische Entscheidungsfindungen oder neue Arbeitswelten – wurden thematisiert. Denn die Digitalisierung birgt nicht nur große Chancen und Veränderungen für die Logistik, sondern durchdringt auch die Gesellschaft – vor allem beim Sicherheitsdenken.

Die Sicherheit im Cyberraum ist jedoch nicht nur durch Technologie zu lösen. Das betonte der Buchautor und Spiegel-Kolumnist Sascha Lobo in seinem Vortrag am zweiten Tag des Kongresses. „Die Verantwortung für Sicherheit in die EDV-Abteilung schieben zu wollen, ist fatal. Es geht um die Interaktion zwischen Mensch und Maschine“, so Lobo. „Nicht die Technologien verändern die Welt, sondern die Art und Weise, wie die Leute sie nutzen.“

“Drei Tage Ermutigung? Der Deutsche Logistik-Kongress in Berlin ist zu Ende gegangen. Die Herausforderungen für die Branche bleiben. #DBSchenker #DLK2019 #BVL“

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Die Herausforderungen, vor denen die Branche steht, werden also nicht geringer. Die Ermutigung durch den Logistikkongress war für die Beteiligten daher vermutlich eine große Unterstützung.