Das Ziel sind wetterfeste Transportketten

Im Zeitalter der Digitalisierung zeichnen sich Mittel und Wege ab, um Wettervorhersagen besser in die Touren- und Routenplanung von Lkw-Systemverkehren einzubinden. Das soll verhindern, dass starke Regen- und Schneefälle oder Glatteis eine Transportkette mehr als nötig beeinträchtigen. Die Jade Hochschule Wilhelmshaven hat daraus ein Forschungsprojekt gemacht, an dem sich DB Schenker beteiligt. Es steht unter der Leitung von Michael Klafft, Professor für Wirtschaftsinformatik im Fachbereich Management, Information, Technologie.

Im ersten Schritt wollen die Wissenschaftler historische GPS-Daten der Fahrzeuge mit historischen Wetterdaten abgleichen. Um es einfach auszudrücken: Es gibt im Systemverkehr von DB Schenker eine Reihe von Konstanten. Dazu gehören die täglich gefahrenen Strecken, über die detaillierte Aufzeichnungen existieren. Und es gibt Variablen, wie zum Beispiel das Wetter. Das Forschungsteam analysiert die Korrelation zwischen den Wetterereignissen und der Fahrtdauer. „Dabei geht es beispielsweise darum, präzise die Verzögerungen zu quantifizieren, die starke Regen- oder Schneefälle auf einzelnen Streckenabschnitten verursachen“, sagt Dr. Christian Tummel, Business Consultant Data bei der Schenker AG in Essen.

Predictive Analytics: Blick in die Glaskugel oder Planungswerkzeug?

Predictive Analytics verändert die Geschäftsprozesse – auch in der Logistik. Die Zukunft wird berechenbar.

logistik-aktuell.com

Schnittstellen zur Planungssoftware der Disposition

Im zweiten Schritt sollen Wetterprognosen einbezogen werden, um verlässliche Aussagen über mögliche witterungsbedingte Verzögerungen zu treffen. Ziel des Forschungsprojektes ist es, bis zum Sommer 2022 Transportunternehmen ein Diensteportfolio zur Verfügung zu stellen. Bestandteile sind unter anderem ein Wetterprognose-System, routenbezogene Warnabonnements, spezielle Routinganwendungen für Fernbusse und Lkw und eine Komponente mit Informationen zur Parkplatzverfügbarkeit. Klafft strebt an, die „Anbindung einzelner Funktionen an bestehende Anwendungen zu erleichtern und darüber hinaus die Skalierbarkeit der Angebote sicherzustellen“. Denkbar wären beispielsweise Schnittstellen zwischen den IT-Systemen eines Transportdienstleisters und den angestrebten Microservices.

Dr. Christian Tummel, Business Consultant Data, Schenker AG

„Wenn wir Wettervorhersagen und deren Wirkzusammenhänge mit der Transportplanung kennen, gewinnen wir ein wichtiges Instrument, um Fahrpläne einzuhalten und Termintreue zu gewährleisten.“

Generell gelten für die Systemverkehre von DB Schenker feste Ankunfts- und Abfahrtszeiten an den Terminals. „Von dem Forschungsprojekt versprechen wir uns, dass wir künftig bei witterungsbedingten Abweichungen flexibel reagieren können“, erklärt Tummel. Das wäre sowohl für die Transportplanung als auch für die Empfänger von großem Nutzen. „Wenn wir Wettervorhersagen und deren Wirkzusammenhänge mit der Transportplanung kennen, gewinnen wir ein wichtiges Instrument, um Fahrpläne einzuhalten und Termintreue zu gewährleisten.“

Zustellung sichern – auch bei starkem Schneefall

Vorhersehbare Kapriolen? Warum Händler ihr Sortiment mit der Wetterprognose abstimmen | logistik aktuell

Das Wetter beeinflusst unserer Einkaufsverhalten stark. Händler müssen daher Wetterprognosen berücksichtigen oder spezielle Wetterdienste befragen.

logistik-aktuell.com

Den Nutzen im Alltagsgeschäft eines Logistikdienstleisters mag ein Beispiel erläutern: Die übliche Fahrzeit auf einer bestimmten Relation beträgt 270 Minuten. Die verlässliche Wettervorhersage kündigt starke Schneefälle an. Auf Basis der früher ermittelten GPS-Daten schließt das System darauf, dass ein Lkw sein Ziel mit 30 Minuten Verzögerung erreichen wird. „Im Idealfall läuft das automatisiert“, sagt Tummel. Der Terminalverantwortliche kann anhand der bereitgestellten Informationen beispielsweise entscheiden, den Lkw früher als geplant loszuschicken. Vielleicht sogar dann, wenn der Ladevorgang noch nicht vollständig abgeschlossen ist. Und das aus gutem Grund: Verpasst nämlich der Lkw das Empfangsterminal um eine halbe Stunde, erreicht er den dortigen Nahverkehr nicht. Dann erhält kein Kunde seine Sendung aus dem Versandgebiet. Wenn der Lkw hingegen früher startet, wird zumindest ein Teil der Ware zugestellt – bevorzugt bei den Adressaten, die eine feste Terminzusage erhalten haben. „Noch besser ist es natürlich, wenn verlässliche Wetterprognosen schon 24 Stunden vor der geplanten Abfahrt eines Lkw vorliegen“, so Tummel: „Damit bringen wir Ruhe in die Disposition.“ – Man darf auf die Ergebnisse der Studie gespannt sein.

2 Millionen Euro Projektvolumen

Das dreijährige Forschungsvorhaben wird zu 75 Prozent vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur gefördert. Verbundkoordinator ist die Jade Hochschule. Das Projektvolumen umfasst rund 2 Millionen Euro. Partner sind das Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme FOKUS, FlixMobility Experience GmbH, Climate Media Factory UG, Infoware GmbH, die Map and Route GmbH und die Schenker AG.

“Wenn man #Wetterdaten und #GPS klug kombiniert, kann ein #Wolkenbruch der Transportkette nichts anhaben.“

Twittern WhatsApp

Macht es Sinn, Wetterdaten bei der Planung von Transportketten konsequent zu berücksichtigen?