Europaletten: Auf dem Weg vom Ladungs- zum Informationsträger

11 Bretter, 78 Nägel, 9 Klötze, 25 Kilogramm: Das sind Spezifikationsmerkmale einer EPAL-Europalette. Hinzu kommen Länge und Breite – 800 mal 1.200 Millimeter. Klingt nach gediegenem Schreinerhandwerk. Doch wenn es nach den Digitalisierungsexperten von Fraunhofer IML und EPAL geht, soll die Europalette künftig mehr sein als ein robuster Unterbau, der bis zu 4 Tonnen durch die Welt schleppt. Ein mehrstufiges Entwicklungsprojekt wertet den Ladungsträger zum Informationsträger auf.

Zählen mit dem Smartphone

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Im ersten Schritt geht es um das mengenmäßige Erfassen und das Palettenmanagement per Smartphone. Logistiker, Spediteure und Verlader müssen wissen, wie viele Paletten sich in ihrem Bestand befinden: auf der Rampe, im Lager und unterwegs. „Für uns ist eine digitale Unterstützung in diesem Bereich besonders wertvoll“, sagt Dr. Nuri Morava, der als Global Innovation Manager bei der Schenker AG die Kooperation mit dem Fraunhofer IML leitet. Darunter fällt das DB Schenker Enterprise Lab for Logistics and Digitization, das seit nunmehr fünf Jahren erfolgreich neue Technologien für DB Schenker entwickelt und erprobt.

„In jeder Geschäftsstelle unseres Landverkehrs gibt es jemanden, der durchgängig mit dem Palettenhandling befasst ist“, erklärt Morava. Ihm könnte viel zeitaufwendige Routinearbeit erspart bleiben. Im Gespräch ist eine App: Man fotografiert einen Stapel mit dem Smartphone und die App übernimmt das Zählen. Das dürfte die Bestandsführung sowie die administrativen Prozesse rund um den Palettentausch mit den Frachtführern erheblich erleichtern. Noch interessanter wird das fotografische Zählen, wenn damit gleich auch der qualitative Zustand einer Palette dokumentiert wird. „Soweit man den bei gestapelten Einheiten ermitteln kann“, räumt Morava ein.

Dr. Nuri Morava, Global Innovation Management der Schenker AG:

„Es wäre sogar denkbar, dass eine Palette Positionsdaten sendet und eine Fehlverladung anzeigt, bevor der Lkw die Rampe verlässt.“

QR-Code für Identifizierung und Lokalisierung

Beim nächsten Schritt auf dem Weg vom Ladungs- zum Informationsträger sollen QR-Codes zum Einsatz kommen. Sie werden in den Fuß gebrannt und erlauben es, Paletten individuell zu identifizieren und zu lokalisieren. Eine Plattform soll alle Daten speichern. Im Idealfall lässt sich der gesamte Weg nachvollziehen, den eine Palette seit ihrem ersten Einsatz genommen hat. Wer Zugriff auf diese Daten erhalten soll, steht auf einem anderen Blatt.

Zusätzlich zum QR-Code – und damit sind wir bei der dritten Ausbaustufe der intelligenten Ladungsträger – wird den Paletten ein Sensor in den Fuß eingebaut. So jedenfalls die Idee von EPAL und Fraunhofer IML. Der Sensor misst die Umgebungstemperatur, die Luftfeuchtigkeit und auch die Erschütterungen, denen das Holzgerüst im ruppigen Verladealltag ausgesetzt ist. So ein Sensor ist recht teuer. Wenn man berücksichtigt, dass eine neue EPAL-Palette derzeit rund 8 Euro kostet, würde ihr Preis durch die technische Zutat signifikant steigen. Aber das ist eine Momentaufnahme und lässt eine Mehrfachverwendung außer Acht. Sobald sich der Lebenszyklus einer Palette schließt, kann der Sensor auf die nächste wechseln. Unter diesen Umständen rechnet er sich dann vielleicht doch. Denn das nützliche Extra soll 10 Jahre durchhalten.

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Palette weiß, wo sie ist und wo sie hinwill

„Es wäre sogar denkbar, dass eine Palette Positionsdaten sendet und eine Fehlverladung anzeigt, bevor der Lkw die Rampe verlässt“, blickt Morava in die Zukunft. „Ob dieses Szenario in der Praxis realistisch ist, sei noch dahingestellt. Technisch möglich ist es allemal.“ Gleiches gilt für ein angedachtes Pay-per-use-Vergütungssystem: Die Anwender kaufen die Paletten nicht, sondern zahlen für jede Nutzung.

„Die Logistik steht auf Paletten“

Man darf gespannt sein, welche Innovationen die Praktiker, Forscher und Ingenieure von Fraunhofer und EPAL in nächster Zeit aushecken. Für die verladende Wirtschaft verheißt die Entwicklung viel Positives. Denn wie formulierte es IML-Institutsleiter Michael ten Hompel ebenso doppeldeutig wie treffend: „Die Logistik steht auf Paletten.“ Und da ist es allemal wünschenswert, dass sie jederzeit die Position und den Zustand ihrer Ladungsträger bestimmen kann. Die ersten Pilotversuche mit intelligenten Paletten laufen derzeit an, das Projektteam hält noch Ausschau nach Logistikpartnern.

“#EPAL # iPAL #Paletten entwickeln sich vom #Ladungsträger zum #Informationsträger. Das erhöht die Effizienz in der #Logistik.“

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Die European Pallet Association e. V. (EPAL) betreibt mit über 500 Millionen Europaletten und 20 Millionen Gitterboxen den weltweit größten offenen Tauschpool für Ladungsträger. EPAL-Paletten werden aus nachhaltig angebautem Holz hergestellt. In der Regel braucht es 6 bis 8 Umläufe bis zur ersten Reparatur. 2018 wurden 94 Millionen Stück produziert und 28 Millionen repariert.

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