Restart statt Kahlschlag? Logistik und die Pandemie

Die Corona-Pandemie trifft die Logistikbranche in hohem Maße. Neben dem Schutz der eigenen Mitarbeiter müssen Logistikdienstleister sehr flexibel agieren. Zum einen sind sie für die Versorgung der Bevölkerung unverzichtbar: Sie stellen sicher, dass Krankenhäuser oder Apotheken Medikamente und Medizinprodukte erhalten. Auf der anderen Seite haben die Stillstände im wirtschaftlichen Leben dazu geführt, dass viele Lieferketten unterbrochen sind. Gerade für viele klein- und mittelständische Unternehmen führt das zur Existenzbedrohung.

Highspeed für den Schnelltest | logistik aktuell

DB Schenker bringt hunderttausende Schnell-Testkits für den koreanischen Hersteller SD Biosensor per Luftfracht zu den Kunden auf der ganzen Welt.

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Ende des unbekümmerten Wachstums

Nun, mit der vorsichtigen Öffnung im gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben, zeigt sich, wie tief die Stillstände die Logistik getroffen hat. Fachleute, die sich im Kreis der Logistikweisen zusammengetan haben, haben die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Wirtschaftsbereich Logistik untersucht. „Die Zeit der grenzenlosen Freiheit und des unbekümmerten Wachstums ist vorbei“, stellen sie fest. Die Krise werde sich auf den gesamten Markt auswirken und zu vielen Insolvenzen führen. „Es wird eine Bereinigung geben, aber keinen Kahlschlag“, sagt einer der Logistikweisen, Prof. Dr. Christian Kille von der Hochschule Würzburg. Künftiger Wachstumstreiber der Branche wird nicht mehr die Globalisierung sein, sondern die Nachfrage des deutschen und des EU-Binnenmarkts.“

Dagegen werden Themen wie sichere Lieferketten, Risiko Management und natürlich Dual Sourcing für Unternehmen immer wichtiger. Was die Digitalisierung betrifft, sind Fortschritte in der Branche nicht selbstverständlich. Zwar hat sie sich bei dem Thema oft als Vorreiter bewiesen – doch ob die Budgets für eine stärkere Digitalisierung noch vorhanden sind, ist fraglich.

Transparenz und Kommunikationsfähigkeit entscheidende Faktoren

Logistiker befinden sich also in einer schwierigen Situation. Planungsprozesse und Prognosen müssen der neuen Realität angepasst werden. „Wir rechnen heute verschiedene Szenarien zwischen Best Case und Worst Case durch und entscheiden dann, ob eine Investition sinnvoll erscheint.“, sagt Jochen Thewes CEO von DB Schenker.
Künftig werden Transparenz und Kommunikationsfähigkeit die entscheidenden Faktoren sein, um schnell und agil reagieren zu können. Wer über die besten Daten und Analysen verfügt, hat einen enormen Wettbewerbsvorteil.
„Unternehmen werden bereit sein, mehr Geld für eine höhere Belastbarkeit der Lieferkette zu investieren“, sagt Thewes. Dabei verändert sich die Nachfrage deutlich – nicht nur in der Art, sondern auch in der Form und im Verlauf. Zudem verändert die Krise die Logistiknetze und Supply Chains. „Als in China alles stillstand, sind bei vielen Unternehmen die Lieferketten zusammengebrochen“, sagt Thewes. „Die Lehre daraus wird sein, bei Produktion oder Zulieferern die Supply Chains stärker zu diversifizieren und sicherer zu machen.“

“Nach der Pandemie: Der Markt verändert sich massiv – Transparenz und Kommunikationsfähigkeit entscheiden über unsere Zukunft. #DBSchenker“

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Gesellschaftliche Veränderungen

Für manch einen Analysten führt die Corona-Pandemie zu noch viel tiefer gehenden Veränderungen. „Die Welt nach Corona wird nicht völlig anders sein, aber sie setzt sich in einer neuen Form aus alten Elementen neu zusammen“, sagt Matthias Horx vom Zukunftsinstitut in Hamburg. Das wird auch Auswirkungen auf die Logistik haben. „Die Kosten für diese Dienstleistungen steigen – es wird mehr Wertschätzung für diese Branche notwendig“, sagt Horx. Sein Fazit: „Die ganze Gesellschaft wird sich massiv modernisieren müssen.“

Wird die Corona-Pandemie langfristig Auswirkungen auf Ihr logistisches Geschäft haben?