U5-Bau in Frankfurt: Schwerstlogistik mitten in der Stadt

Stefan Kümpel ist kein Mensch, der leicht zu beeindrucken ist. Aber hier, in Frankfurt am Main, tief unter der Erdoberfläche, da stockt auch ihm der Atem. „Da hängen viele Tonnen Beton über einem an der Decke, da entsteht schon mal ein mulmiges Gefühl“, sagt Kümpel. Immer wieder ist der Projektlogistiker von DB Schenker in den vergangenen Monaten in den Tunnel gestiegen, um die Fortschritte bei Frankfurts größter Baustelle zu bewundern. Kein Wunder, schließlich ist das nicht irgendeine Baustelle. Sondern auch seine.

Stefan Kümpel, DB Schenker

„Wir machen das, was keiner sonst machen will, weil es so aufwändig ist.“

Aber von Anfang an: Es geht um die Verlängerung der Stadtbahnlinie U5. Die soll in fünf Jahren schon jeden Tag viele tausend Fahrgäste aus der Frankfurter Innenstadt ins Europaviertel bringen. Damit wäre das neue Europaviertel endlich an ein schnelles Transportsystem angeschlossen.

7.500 Tübbings für den Tunnel

Für den Tunnel schiebt sich eine gigantische Bohrmaschine unterirdisch nach Westen. Während vorne gebohrt wird, schmiegen sich hinter der Maschine Betonfertigbauteile, so genannte Tübbings an die Tunnelwand, um vor herabfallendem Gestein zu schützen. Ein ringförmiger Tübbing besteht aus sechs Elementen. Rund 7.500 solcher Tübbings sollen insgesamt verbaut werden.
Die Betonelemente werden von der Firma Betonwerk Rekers hergestellt. Der Mittelständler ist eines der führenden Unternehmen der Beton- und Fertigteilindustrie in Deutschland und produziert die Tübbings im Stammwerk in Spelle.

Umschlag am Airport

Dort werden die Betonbauteile auf die Bahn verladen. Die bringt sie dann bis zum mehr als 300 Kilometer entfernten Flughafen Frankfurt am Main. 30 Elemente passen auf jeden der 15 Waggons eines Zugs. Am Flughafen übernehmen Mitarbeiter der DB Schenker Airfreight-Geschäftsstelle am Frankfurter Flughafen die Fracht, entladen sie und lagern sie zwischen. Anschließend starten montags bis freitags zwei Lkw mit sechs Tübbing-Elementen und bringen sie zur 18 Kilometer entfernten Baustelle im Herzen Frankfurts. „Rekers gibt uns Bescheid, wann die Züge fahren. Dann haben wir eine Woche Vorlauf für unsere Planung“, sagt Kümpel.

Tonnenschwerer Job

Der Zug ist eingetroffen: Yücel Temirci von DB Schenker geht die Wagen entlang und entfernt die Ladungssicherung. © Michael Neuhaus/DB Schenker

Der Zug ist eingetroffen: Yücel Temirci von DB Schenker geht die Wagen entlang und entfernt die Ladungssicherung. © Michael Neuhaus/DB Schenker

Abfahrt: Der erste Lkw ist beladen und bricht auf Richtung Innenstadt. © Michael Neuhaus/DB Schenker

Abfahrt: Der erste Lkw ist beladen und bricht auf Richtung Innenstadt. © Michael Neuhaus/DB Schenker

Teamwork (v.l.n.r.): Patrick Will (Mitarbeiter Abfertigungskontrolle, Vorarbeiter Team ULD Export Yücel Temirci, Stefan Kümpel, sowie die beiden Staplerfahrer Necati Koc und Bekir Ulu. © Michael Neuhaus/DB Schenker

Teamwork (v.l.n.r.): Patrick Will (Mitarbeiter Abfertigungskontrolle), Vorarbeiter Team ULD Export Yücel Temirci, Stefan Kümpel, sowie die beiden Staplerfahrer Necati Koc und Bekir Ulu. © Michael Neuhaus/DB Schenker

Am Ziel: Die beiden Lkw mit den tonnenschweren Elementen erreichen die Baustelle in der Frankfurt Innenstadt. © Michael Neuhaus/DB Schenker

Am Ziel: Die beiden Lkw mit den tonnenschweren Elementen erreichen die Baustelle in der Frankfurt Innenstadt. © Michael Neuhaus/DB Schenker

    Pufferlager auf der Baustelle

    Weil auf der Baustelle Platzknappheit herrscht, müssen die Transporte wie am Schnürchen funktionieren. Am Anschlussgleis des Flughafens lagert DB Schenker 360 Tübbingsteine. Mit diesem Pufferlager kann der Logistiker die Baustelle bis zu zehn Tage versorgen. Am Anlieferplatz werden die Bauelemente auf Loren umgeladen und anschließend automatisch in den Schacht befördert. Um Verzögerungen vor Ort auszuschließen, hat das Bauunternehmen außerdem ein weiteres Notlager an der Baustelle eingerichtet. Dort stehen bis zu 50 Ringe bereit. „Das ist ein toller Auftrag – den wir Hand in Hand mit den Kollegen der Frankfurter Geschäftsstelle für Luftfracht abarbeiten“, sagt Kümpel.

    Richtig dicke Brocken

    Bei Schwerlasttransporten und Projektlogistik geht es immer um die großen Brocken und die außergewöhnlichen Projekte. „Wir machen das, was keiner sonst machen will, weil es so aufwändig ist“, sagt Kümpel. Der studierte Verkehrsfachwirt ist seit vielen Jahren bei DB Schenker in der Schwerlastabteilung aktiv.
    Die Tübbings sind echte Brocken: 13,8 Tonnen wiegt solch ein Ring, der später den Tunnel auskleidet. Werden die Ringe mit dem Lkw mitten durch die Stadt transportiert, liegt das Gesamtgewicht rund drei Tonnen über den zugelassenen 25 Tonnen. „So konnten wir die Anzahl der Lkw-Fahrten durch Frankfurts Innenstadt halbieren“, sagt Kümpel. Statt 6.000 Fahrten sind nur noch 3.000 Transporte notwendig.

    Schwierige Genehmigung

    Doch was sich einfach anhört, birgt auch Tücken: „Für die Genehmigung brauchten wir ein Ladungssicherungskonzept, das ein Gutachter bestätigen musste“, sagt Kümpel. Ihr ganzes Know-how warfen Kümpel und seine Kollegen in die Waagschale. Zwei Routen konnten sie genehmigen lassen, um die Schwerlasttransporte mitten durch Frankfurts Innenstadt zu führen.

    “Weiter geht’s mit der U5 in Frankfurt am Main: Logistik für die größte Baustelle der Region. #dbschenker @vgf_ffm #Europaviertel“

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    Ein Ausfall der Tunnelbohrmaschine hatte viele Wochen lang die Transporte gestoppt. Für Kümpel kein Grund zur Aufregung: „Bei solch einem großen Projekt muss man mit allem rechnen“, sagt er. Nun bohrt die Maschine seit dem 16. Juni 2020 wieder. Erste Züge rollen, auch die ersten Lkw sind zur Baustelle gestartet. Auch Kümpel zieht es wieder auf die Baustelle. Die Tübbings im Tunnel sind nun mal beeindruckender als auf dem Lkw.

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