XXL-Lastenfahrrad: Europaletten auf dem Gepäckträger

Für das, was die Fahrer des XXL-Lastenbikes im Auftrag von DB Schenker machen, gehen andere ins Fitnessstudio. Der ergonomische Sitz bildet eine stabile Rückenstütze, damit der Rumpf die Arbeit der Oberschenkel unterstützt. „Das ist wie bei der Beinpresse im Kraftraum“, flachst Christian Rusche. „Nur dass hier ein Elektromotor mithilft und alles im Freien stattfindet.“ Ihm und seinen Mitarbeitern macht es sichtlich Spaß, für eine nachhaltige Citylogistik in die Pedale zu treten.

500 Kilogramm Ladegewicht

Der Gründer und Geschäftsführer von Cargo Cycle hat sich auf die Entwicklung und den Bau solcher Fahrzeuge spezialisiert. Aber Lastenfahrrad ist nicht gleich Lastenfahrrad. Der sechseinhalb Meter lange Megaliner dreht als Unikat seine Runden (siehe Infokasten). Das XXL-Bike fährt seit 2019 für die DB Schenker Geschäftsstelle Hamburg durch die Hansestadt und hat dabei inzwischen knapp 4.000 Kilometer zurückgelegt. Bei Passanten löst es staunende Blicke und den reflexartigen Griff zum Smartphone aus. Schnell ein Foto von diesem Pedelec-Pendant zur Stretchlimousine. Zwar ohne Braut und Bräutigam im Fond, aber dafür mit drei Europalletten beladen, die insgesamt bis zu 500 Kilogramm wiegen. Eine halbe Tonne mit dem Fahrrad! Der Haupteinsatzort liegt im dichten Verkehrstrubel zwischen St. Pauli und Hafen City. Es geht um die Zustellung von Stückgut im Innenstadtbereich: Lebensmittel, Kleidung, Drogerieartikel und was man sonst noch braucht. Die Empfänger sind Einzelhändler und Büros, Handwerksbetriebe und Privatpersonen.

Die schwierige letzte Meile

Alle Waren kommen über das internationale Netzwerk von DB Schenker zum Lager in Wilhelmsburg im Süden der Stadt. Im Vergleich zum gesamten Transportweg – nicht selten quer durch Europa – ist es von dort bis zum Adressaten im Zentrum nur noch ein Katzensprung. Der Logistiker spricht von der letzten Meile. Aber die hat es in sich und stellt eine enorme Herausforderung dar. Weil sie sich mitten durch den Berufs-, Freizeit- und Einkaufsverkehr der Metropole zieht.

City-naher Umschlagplatz: Das XXL-Lastenfahrrad wird in Altona beladen. © DB Schenker / Max Lautenschläger

Das XXL-Bike darf überall hin, wo Fahrräder erlaubt sind. © DB Schenker / Max Lautenschläger

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Christian Rusche, der Gründer von Cargo Cycle, hat das XXL-Lastenrad selbst gebaut. Die Reifen und Felgen in hinteren Bereich sind Mopedkomponenten. © DB Schenker / Max Lautenschläger

In der Innenstadt sind Cargo Bikes oft wirtschaftlicher und schneller als herkömmliche Transportmittel. © DB Schenker / Max Lautenschläger

    Ein Fahrrad wie jedes andere auch

    Tag für Tag quälen sich unzählige konventionelle Transporter gemeinsam mit Autos und Bussen im schwerfälligen Stop and Go durch das Nadelöhr City. Lastenbikes – selbst in der Maxi-Version – haben es einfacher. Ihrem Namen und Naturell nach sind sie Fahrräder und genießen deshalb mehr Bewegungsspielraum als hochmotorisierte Transportmittel. Sie nutzen den Radweg. Und solange es „Fahrrad frei“ heißt, sind sie überall in Fußgängerzonen und verkehrsberuhigten Abschnitten unterwegs. Mit einer Breite von 1,04 Metern kann sich das XXL-Lastenrad locker zwischen Pollern durchwinden, deren genormter Abstand in Hamburg 1,15 Meter beträgt. All das schafft Flexibilität und Zeitgewinn bei der Zustellung. „Die Rede ist nicht etwa von handlichen Paketen, wie das bei herkömmlichen Lastenfahrrädern der Fall ist“, betont Gert Ludt, DB Schenker-Geschäftsstellenleiter in Hamburg. „Wir sprechen hier von palettierten Einzelsendungen, die bis zu 120 Kilogramm wiegen.“

    Gert Ludt, Leiter der DB Schenker-Geschäftsstelle Hamburg (Landverkehr, Logistik)

    „Mit Lastenrädern befinden wir uns auf bestem Wege zu einer urbanen Logistik, die die Idee von Nachhaltigkeit in reale Prozesse überführt.“

    Grüne Abschnitte der Lieferkette

    Beladen wird das Lastenbike zentrumsnah in Altona. Jeden Tag bringt ein Fahrzeug die Waren von Hamburg-Wilhelmsburg dorthin. Bald übernimmt ein E-Lkw diesen Transport.
    Dann sind die beiden letzten Abschnitte der Lieferkette grün: vom Terminal zum Bike und mit dem Bike zum Empfänger. „Unser Unternehmen investiert in die emissionsfreie Logistik“, sagt Ludt. „Das bedeutet weniger CO2, weniger Lärm und dennoch eine schnelle und zuverlässige Zustellung von Waren aller Art.“

    “Mehr #Nachhaltigkeit in der #Citylogistik. Ein #Lastenbike befördert im Auftrag von #DBSchenker bis zu 500 Kilogramm.“

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    Das Fahrradkonzept kommt an. Vom XXL-Modell werden derzeit zwei weitere gebaut. Technisch sind sogar einige Upgrades geplant. Eines bleibt in der Hansestadt, das andere geht zur Geschäftsstelle Regensburg. Bis 2025 will DB Schenker in Hamburg fünf Lastenräder einsetzen. Zu den globalen Zielen des Unternehmens gehören nachhaltige Transportkonzepte für Innenstädte. Dazu hat sich DB Schenker auch gegenüber Hamburg verpflichtet. „Mit Lastenrädern“, so Ludt, „befinden wir uns auf bestem Wege zu einer urbanen Logistik, die die Idee von Nachhaltigkeit in reale Prozesse überführt.“

    Fakten zum Lastenrad Megaliner

    • Hersteller: Cargo Cycle, Hamburg
    • Länge: 6,50 Meter
    • Breite: 1,04 Meter
    • Leergewicht: 230 Kilogramm
    • max. Zuladung: 500 Kilogramm
    • Ladefläche: reicht für drei Europaletten hintereinander
    • Laderaum: 4 Kubikmeter
    • Wendekreis: 2,70 Meter
    • Akku: reicht für 70 Kilometer
    • Besonderheit: gilt als Fahrrad (kein Führerschein, keine behördliche Anmeldung)

    Lastenfahrräder für die Citylogistik. Ist das die Zukunft?

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