Wie die Logistik Schnee und Eis meistert

Es ist jedes Jahr das Gleiche: Für die einen ist es Vorfreude, für die anderen ist es ein ungutes Gefühl irgendwo in der Magengegend. Nein, es geht nicht um den Familienbesuch, sondern um die Frage: Wird es einen weißen Winter geben?

Wenn Stadt und Land mit einer Schneedecke überzogen sind, entsteht für einen kurzen Moment der Eindruck, die Welt drehe sich ein bisschen langsamer. Auf Straße und Schiene ist das kein Wunschdenken: Schneefälle und plötzliche Kälteeinbrüche können Abläufe in der Logistik durcheinanderbringen und kurzfristige Reaktionen erfordern. Obwohl der Schnee schön anzusehen ist – Lieferungen sollen trotzdem pünktlich ankommen, damit Lieferketten weiterhin reibungslos funktionieren.

Mirco Schären, DB Schenker

„Das Wichtigste ist, dass unsere Mitarbeitenden immer in der Lage sind, flexibel auf solche Wintereinbrüche zu reagieren.“

Zugegeben: Schnee und Kälte sind selten plötzliche Überraschungen. Dank präziser meteorologischer Vorhersagen lassen sich auch bei DB Schenker bereits einige Tage im Voraus notwendige Reaktionen planen. Die Vorbereitung auf den Winter beginnt jedoch viel früher. Bereits vor der kalten Jahreszeit müssen alle Fahrzeuge durch einen Wintercheck: Hier werden sie auf ihre Wintertauglichkeit überprüft und es wird sichergestellt, dass bei Kälte keine Ausfälle zu erwarten sind.

Koordination von Lieferungen

Die größte Gefahr bei Schnee und Frost sind die Straßen. Unfälle und Staus treten spontan auf und können bei der Planung kaum einkalkuliert werden. Kommen Lkw aufgrund von schwierigen Straßenverhältnissen schlechter voran, können sich Lieferzeiten verzögern. DB Schenker setzt deshalb bei der Nahverkehrsdisposition an. Diese koordiniert die Abladestellen für Lieferungen. „Bei schlechten Straßenverhältnissen wird die Anzahl der Sendungen pro Lkw reduziert, damit Termine eingehalten werden und auch Bergregionen, sofern möglich, trotzdem angefahren werden können.“, erklärt Mirco Schären, Head of Logistics / Head of Automotive bei DB Schenker in der Schweiz.

Auch Nachtfahrten sind eine besondere Herausforderung, denn häufig werden Straßen erst in den frühen Morgenstunden geräumt. Außerdem sinken die Temperaturen oft nur nachts unter den Gefrierpunkt, sodass es auf den Straßen zu Glatteis kommen kann. DB Schenker stellt deswegen auf bestimmten Routen auf Allradfahrzeuge um. Kleinere Lieferungen werden vom Lkw auf Pkw mit Schneeketten umgeladen. „Das Wichtigste ist jedoch, dass unsere Mitarbeitenden immer in der Lage sind, flexibel auf solche Wintereinbrüche zu reagieren“, sagt Mirco Schären.

Ein Auge auf das Zusammenspiel von Straße und Schiene

Besondere Flexibilität und ein waches Auge sind auch beim intermodalen Verkehr geboten. Der Blick fällt vor allem auf die Umschlagterminals. Hier werden die Züge trassiert und Vorholungen und Umfuhren geplant. Es gilt, ständig in enger Abstimmung mit den Terminals zu beobachten, wie sich die Wetterlage entwickelt und welche Transportwege befahrbar sind.

„Es ist eine ständige Abwägung, ob der Zug- oder Straßenverkehr ohne Einschränkungen bleiben werden oder nicht. Letztlich kann es passieren, dass eine bereits auf den Zug verladene Ladeeinheit doch mit der Straße transportiert werden soll oder umgekehrt. Da müssen wir als Logistiker im Sinne unserer Kunden flexibel bleiben“, erklärt Elmar Stork, Head of European Rail Production bei DB Schenker Full Load Solutions. Die Transporteure müssen hier eng zusammenarbeiten, untereinander und mit ihren Kunden. Kommunikationsstärke, Lösungskompetenz und Innovationsgeschick sind hier besonders gefordert.

Mit Zwischenlagern und Notfallplänen Lieferketten sichern

Kritische Lieferketten müssen auch bei Schnee und Eis funktionieren. „Für solche Fälle werden Notfallszenarien mit verschiedenen Eskalationsstufen definiert“, erklärt Elmar Stork. „Diese Konzepte werden im Vorfeld mit den eigenen Logistikpartnern, aber auch mit den Kunden entwickelt, damit schnell die geeigneten Maßnahmen ergriffen werden können“, sagt Elmar Stork.

Eine solche Maßnahme sind Konsignationslager. Logistiker legen sie als Reserve an, um mögliche Lieferausfälle zu puffern. Wichtig ist, die Kunden möglichst frühzeitig über solch plötzliche Wintereinbrüche und potenzielle Verspätungen zu informieren. Glücklicherweise reagieren diese meist mit Verständnis, berichtet Mirco Schären. Der Logistiker weiß: Schnelles Informieren und Reagieren sind der Schlüssel im Umgang mit Schnee und Kälte. Schließlich soll der Schnee möglichst schnell wieder weg von den eigentlichen Lieferrouten.

Auch wenn Schlitten-Fans und ambitionierte Schneeskulpturen-Schöpfer leise jauchzen – für die Logistik sind Schnee und Eis eine Herausforderung und der Anstoß für Abstimmung, Umladungen und das Hoffen, dass Straße und Schiene befahrbar bleiben. Dürfen wir uns trotzdem auf weiße Winterpracht freuen? Natürlich! Die Logistik ist vorbereitet.