Resilienz, Transparenz und Nachhaltigkeit bestimmen das Jahr 2021

Das vergangene Jahr war eine einzige Herausforderung: Die Lockdowns und die weltweite Abschottung in der Corona-Pandemie haben Wirtschaft und Gesellschaft weltweit beeinträchtigt. Für Logistiker sind schwere Zeiten angebrochen. Auch 2021 wird zur Herausforderung, denn die Pandemie ist weit davon entfernt, beendet zu sein. Und die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft und die Unternehmen in den einzelnen Ländern sind höchstens zu erahnen.
Doch welche Trends steuern die Branche? Was wird die Logistik weltweit prägen? Und worauf müssen Logistiker achten, wenn sie mehr oder weniger angeschlagen aus der aktuellen Krise in besseres Fahrwasser kommen?

Standortvorteil in Deutschland

Nach Einschätzung von Prof. Dr. Christian Kille, der an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt lehrt, ist der Wirtschaftsstandort Deutschland bislang recht gut durch die Krise gekommen, weil die Logistik sehr flexibel auf Veränderungen reagieren konnte. „Wir sind nicht umsonst im Ranking des World Economic Forum Logistik-Weltmeister, weil die Leistungsfähigkeit unserer Logistiker besonders gut ist“, sagt Professor Kille. Neben seiner Hochschultätigkeit ist der Wissenschaftler auch Mitglied im Expertengremium der Logistikweisen, das sich regelmäßig über die Perspektiven der Branche austauscht.

Mehr Resilienz durch Auswahl von Lieferanten

Ein wichtiges Thema: Die Resilienz oder Widerstandsfähigkeit von Lieferketten. Wenn Lieferanten aufgrund einer Katastrophe wegbrechen und Verkehrsträger wegfallen, dann zerfallen globale Supply Chains. Resiliente Ketten verlangen daher, dass Verlader aus Industrie und Handel stärker auf die schwächeren Elemente blicken. Dazu gehören nicht nur die Transportwege und Verkehrsträger, sondern auch die Lieferanten.
Das führt langfristig zu einem Strukturwandel in der industriellen Produktion. „Die Lieferketten werden kürzer, wir stellen eine langsame und kontinuierliche Umstellung der Produktion und Zulieferung auf europanahe Standorte fest“, sagt Kille. Im Gegenzug bedeutet das, dass beispielsweise auch Produkte aus Deutschland, die in China verkauft werden, stärker dort vor Ort produziert werden.
Regionalisierte Globalisierung nennen die Logistikweisen diese Entwicklung, die die Branche stark beeinflussen könnte: Regionale Supply Chains sind einfacher zu handhaben und reduzieren Risiken. „Teile der Logistik werden einfacher, zuverlässiger und billiger“, so Kille.

Prof. Dr. Christian Kille, Mitglied im Expertengremium der Logistikweisen

„Teile der Logistik werden einfacher, zuverlässiger und billiger“

Größerer Aufwand durch mehr Planung

Allerdings bedeutet das nicht, dass logistische Dienstleistungen günstiger werden. Denn zum einen kompensieren höhere Kosten, zum Beispiel für Container und Fachkräfte die Einsparungen durch die kürzeren Wege. Zum anderen wird die Umstellung auf die regionalisierte Produktion nicht vollständig sein. Nicht alle Lieferanten werden in die Regionalisierung gehen wollen. „Und wenn wir Wertschöpfungsketten komplett durchdenken, bleiben globale Lieferketten in Teilen bestehen. Einzelne Wertschöpfungsstufen rücken näher. Längere Transportwege bleiben aber weiterhin für eine große Menge bestehen“, sagt Kille. Die Folge sind größere Aufwände bei den Logistikern, die quasi mehrgleisig planen müssen.

Digitalisierung setzt sich fort – mit Einschränkungen

Damit einher geht ein wesentlicher Aspekt, der über den Erfolg der Unternehmen entscheidet: Die Transparenz entlang der Lieferketten. „Wir brauchen ein Bild des Güterflusses“, bestätigt Kille. „Aber weil die Lieferketten so viele unterschiedliche Akteure einbinden, gibt es so viele schwarze Löcher.“
Vor allem der Einsatz von digitalen Technologien könnte Supply Chains transparenter machen. Die Digitalisierung wird sich in den kommenden Jahren fortsetzen. Sie ist aber nur dann erfolgreich, wenn die Beteiligten bereit sind, sich stärker zu vernetzen und Daten zu teilen.
„Wir müssen Daten über die Transporte so speichern, dass sie für jeden einsehbar sind“, so Kille. Doch zögern viele kleinere Unternehmen vor hohen Investitionen in digitale Technik. „Der kleine Dienstleister mit geringem Umsatz hat nur einen Schuss frei. Der muss genau wissen, in welche digitalen Tools er investiert“, sagt Kille. Hinzu kommen Kommunikationsprobleme zwischen beteiligten Partnern, Lieferanten und Handelspartnern, die digitale, transparente Ketten verhindern. Und schließlich stellen viele Unternehmen eigene Daten anderen nur zögerlich zur Verfügung.

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Nachhaltigkeit rückt wieder in den Fokus

Eines wird die Logistik jedoch mit Sicherheit in den kommenden Jahren bestimmen: Die Nachhaltigkeit. Schon heute stellen Fachleute fest, dass die Logistik beim Thema nachhaltige Transporte echte Effizienzsteigerungen erreicht hat: Eine intelligentere Planung erhöht die Auslastung, neue Fahrzeug-Antriebe und grüne Warehouses reduzieren CO2-Emissionen. Das Streben nach mehr Effizienz liegt nicht nur an der erhöhten Aufmerksamkeit für die Lieferketten, sondern hat oft einen einfachen Grund: „Investitionen in klimafreundliche Maßnahmen amortisieren sich häufig ganz schnell“, sagt Kille. Das zeigt sich zum Beispiel im Immobilienbereich: Wer nach grünen Standards baut, erhält leichter eine Baugenehmigung und erspart dem Nutzer hohe Nebenkosten.

Imagewandel in der Logistik

In einem Bereich können sich Logistiker in diesem Jahr vermutlich entspannen, beim demografischen Wandel und dem Fachkräftemangel. Denn wegen des Strukturwandels in der industriellen Fertigung könnte die Logistik für Fachkräfte, IT-Mitarbeiter und Ingenieure attraktiver werden. Hier hat gerade die Corona-Pandemie zu einem Imagewandel geführt. „Junge Leute schielen nicht mehr auf Jobs in der Autoindustrie, sondern in der Logistik.“ Eine Branche, die es schafft, auch unter widrigsten Umständen zu funktionieren, ist für Nachwuchskräfte sehr verlockend, meint Kille.

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