Frankfurt-Shanghai: DB Schenker fliegt regelmäßig CO2-neutral

Wird der Traum vom klimafreundlichen Fliegen wahr? DB Schenker und Lufthansa Cargo haben Anfang April die erste regelmäßige und CO2-neutrale Frachtflugverbindung in der Geschichte der Luftfahrt aufgenommen. Am 1.4.2021 um 09.14 Uhr hob Flug LH8404, eine Boeing 777F, in Frankfurt am Main ab. Ziel des Fliegers war Shanghai Pudong. Das Besondere: Der Flug erfolgt CO2-neutral. Der Treibstoffbedarf der Maschine wird komplett durch Sustainable Aviation Fuel (SAF) abgedeckt.

Jochen Thewes, Vorstandsvorsitzender von DB Schenker

„Wir sind stolz, schon jetzt so viele Kunden von diesem zukunftsweisenden Produkt überzeugt zu haben.”

DB Schenker und Lufthansa Cargo werden die interkontinentale Verbindung im Wochentakt klimafreundlich bedienen. Je Flug ersetzen rund 174 Tonnen CO2-neutrales SAF das bislang genutzte herkömmliche Kerosin. Das vermeidet jeweils rund 540 Tonnen Treibhausgase – bei einer Tonne Kerosin entstehen 3,15 Tonnen CO2 Direktemissionen. „CO2-neutrale Lieferketten sind jetzt auch mit der Luftfracht möglich“, sagt Jochen Thewes, Vorstandsvorsitzender von DB Schenker. „Wir sind stolz, schon jetzt so viele Kunden von diesem zukunftsweisenden Produkt überzeugt zu haben. Nun müssen Wirtschaft und Politik an einem Strang ziehen, um mehr Kapazitäten für regenerative Kraftstoffe und sauberes Fliegen zu schaffen.“

Neue Wege für mehr Klimafreundlichkeit

Mit der interkontinentalen Verbindung im Wochentakt beschreiten der Logistikdienstleister und die Airline neue Wege, um die Luftfahrt klimafreundlicher zu gestalten. Kohlendioxid – die chemische Bezeichnung ist CO2 – führt zur Erwärmung der Erdatmosphäre. Nach Angaben der Lufthansa sorgt die Luftfahrt weltweit für mehr als 2,8 Prozent der jährlichen CO2-Emissionen. Etwa 80 Prozent davon entfallen auf Flugstrecken von mehr als 1.500 Kilometern, bei denen Passagiere nur selten auf andere Verkehrsträger ausweichen können. Sustainable Aviation Fuel ist daher eine Möglichkeit, um die CO2-Emissionen von Flugzeugen zu senken. Aktuell ist SAF rund drei Mal teurer als fossiles Kerosin. Außerdem steht am Markt noch nicht ausreichend SAF zur Verfügung.

„Bei der Herstellung herkömmlichen Kerosins wird Öl und damit Kohlenstoff ‚aus dem Boden‘ geholt, der dort Millionen Jahre lang gelagert hat und bei der Verbrennung neu in die Atmosphäre gelangt, was den Klimawandel vorantreibt“, erläutert Andrea Dorothea Schön, Senior Manager Carbon Controlling & Consulting bei DB Schenker. „SAF hingegen wird aus organischen Abfällen hergestellt.“ Der Brennstoff wird vorwiegend aus Biomasseabfällen gewonnen – zum Beispiel aus gebrauchten Pflanzen- und Speiseölen. Bei der Verbrennung im Triebwerk wird somit ausschließlich CO2 freigesetzt, welches der Atmosphäre zuvor beim Wachstum der Pflanzen entzogen wurde. Treibhausgase, die durch die Herstellung und den Transport dieses Kraftstoffs entstehen, werden durch Ausgleichsprojekte vollständig kompensiert. Das führt dazu, dass die Flüge vollständig treibhausgasneutral werden.

CO2-Vermeidung wird den Kunden gutgeschrieben

Hinter dem Start der Maschine nach Shanghai steckt ein hoher Planungsaufwand. Schon im November 2020 haben DB Schenker und Lufthansa Cargo einen ersten Flug gestartet, der für Aufsehen sorgte. Noch aber ist die ausschließliche Betankung von Flugzeugen mit SAF rechtlich und technisch nicht erlaubt. Deshalb gehen DB Schenker und die Airline einen anderen Weg: In das Betankungssystem des Frankfurter Flughafens wird eine Menge an SAF eingespeist, die genau dem Kraftstoffbedarf für die Flüge von Frankfurt nach Shanghai und zurück entspricht. Jedes Flugzeug, das anschließend aus dem Tanklager betankt wird, erhält und verbraucht physisch einen kleinen Anteil des SAF. Die so vollzogene Gesamtmenge an CO2-Vermeidung können sich die dafür zahlenden Kunden in ihrer Klimabilanz gutschreiben, aufgeteilt nach dem Umfang des genutzten Kraftstoffs.

Betankung vor dem Abflug. © Lufthansa Cargo AG/Oliver Rösler

Betankung vor dem Abflug in Frankfurt. © Lufthansa Cargo AG/Oliver Rösler

Abflug der Boeing 777F nach Shanghai am 01.04.2021. © Lufthansa Cargo AG/Oliver Rösler

Abflug der Boeing 777F nach Shanghai am 01.04.2021. © Lufthansa Cargo AG/Oliver Rösler

    Namhafte erste Kunden: Mercedes-Benz, ZF und Merck

    Mit der wöchentlichen Verbindung zwischen Europa und China erhoffen sich die beiden Partner mehr Schwung für klimafreundlichere Verkehre. „Jetzt rufen wir gemeinsam die erste regelmäßige nachhaltige Frachtflugverbindung der Welt ins Leben. Damit ist der Weg für viele weitere Verbindungen dieser Art bereitet“, sagt Dorothea von Boxberg, Vorstandsvorsitzende von Lufthansa Cargo. „Wir setzen auf die Entschlossenheit unserer Branche und den Willen der Verbraucher, diese mit uns auf den Weg zu bringen.“

    “Frankfurt, Germany, 1.4.2021, 09:14: Ready for take off! DB Schenker und Lufthansa Cargo fliegen von nun an regelmäßig CO2-neutral nach Shanghai in China. #DBSchenker #logistikaktuell“

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    Die Nachfrage nach nachhaltigen Logistiklösungen steigt. Mit dem neuen grünen Produkt für Luftfracht schaffen die Initiatoren DB Schenker und Lufthansa Cargo ein neues Angebot für nachhaltigere Supply Chains. Zu den ersten Kunden des neuen Programms gehören Mercedes-Benz, ZF und Merck. Sie können sich die vermiedenen Treibhausgase anteilig in ihrer Klimabilanz gutschreiben.