DB Schenker und Fernride: Automatisierte Yard-Logistik

Digitalisierung und Automatisierung sind Schlüsselelemente für die Logistik von morgen. Deshalb ist in den Hubs oft ein hoher Automatisierungsgrad erreicht. Anders sieht es im Hof der Umschlaganlagen und an der Rampe aus: Auf den Yards fahren immer noch menschliche Fahrer Wechselbrücken von einem Punkt zum anderen. Fahrermangel und durchgehende Digitalisierung verlangen danach, auch hier automatisierte Prozesse zu realisieren.

DB Schenker hat daher mit dem IT-Startup Fernride gemeinsam die technische Machbarkeit fahrerloser Hoflogistik erprobt. Nach einem Pilotversuch in der Nürnberger Geschäftsstelle von DB Schenker konnten die Unternehmen nun zeigen, dass die Automatisierung auf dem Hof funktioniert. „Wir sind beeindruckt, was Teleoperation bereits heute leisten kann”, sagte Sebastian Schuhmann, Head of Innovation Portfolio bei DB Schenker.

Christoph Herchenhein, Head of Terminal Handling Europe bei DB Schenker

„Teleoperation ist ein erster Schritt auf dem Weg zu unserem Ziel der sukzessiv höheren Automatisierung unserer Yards.”

Der Logistikdienstleister verspricht sich durch solche automatisierten Einsätze einen hohen Nutzen im Alltagsbetrieb: „Teleoperation ist ein erster Schritt auf dem Weg zu unserem Ziel der sukzessiv höheren Automatisierung unserer Yards. Wir können uns sehr gut vorstellen, dass die Technologie ein wichtiger Bestandteil unserer Strategie werden wird“, sagt Christoph Herchenhein, Head of Terminal Handling Europe bei DB Schenker.

Nürnberg ist der ideale Teststandort

Schon vor drei Jahren testete DB Schenker vier automatisierte „Wiesel“-Wechselbrückenhubwagen in seiner Nürnberger Geschäftsstelle. Der Standort bot sich an, weil dort jeden Tag mehr als tausend Wechselbrücken zwischen 130 Laderampen bewegt werden mussten. Die automatisierten Wiesel-Fahrzeuge vom Fahrzeughersteller KAMAG bewegten die Frachtbehälter vollkommen selbständig auf Logistikhöfen.

Und genau solch ein Wiesel hat nun Fernride mit einer besonderen Teleoperations-Technologie ausgerüstet.

Für die Tests wurden KAMAG-Wechselbrücken-Hubwagen mit einer besonderen Fernsteuerung ausgerüstet. © Fernride

Fernride, eine Ausgründung aus dem Forschungsinstitut für Teleoperation der Technischen Universität München, hat eine besondere Fernsteuer-Technik entwickelt. Dank einer sicheren und schnellen Datenleitung gelangen Kamerabilder der Fahrzeugumgebung in Echtzeit an eine Teleoperations-Plattform. Dort befindet sich ein Bildschirmarbeitsplatz, der einem Fahrzeugcockpit nachempfunden ist. An diesem Arbeitsplatz konnte ein Fahrzeugführer als Teleoperator das Fahrzeug in Echtzeit überwachen und gegebenenfalls auch eingreifen. Der Vorteil: Weil die Fahrzeuge autonom fahren, kann ein Fahrer mehrere Fahrzeuge gleichzeitig steuern.

Der Arbeitsplatz des Fahrzeugführers: von hier aus findet Echtzeitüberwachung statt.© Fernride

„Gemeinsam mit DB Schenker und KAMAG haben wir gezeigt, dass unsere Teleoperations-Plattform fahrerlos und unter Realbedingungen Wechselbrücken umsetzen kann”, sagte Fernride-CEO und Gründer Hendrik Kramer. „Wir konnten alle unsere Kernhypothesen belegen: Teleoperation ist sicher, präzise, performant – und schon heute möglich. Das sind kritische Erfahrungen zu den Einsatzmöglichkeiten autonomer Fahrzeuge, die wir hier gesammelt haben.“

Automatisierung in Umschlaghubs bei DB Schenker

Allerdings ist das Verfahren noch nicht serienreif. Denn autonome Fahrzeuge erfordern gerade auf einem vielbefahrenen Umschlaghof eine perfekte Anpassung an die eng getakteten Prozesse. Zugleich müssen parallel der Warenstrom und der Betrieb mit klassischen Lkw bis zur vollständigen Automatisierung aufrecht erhalten werden. Aus dem Grund haben Fernride und DB Schenker die bestehenden Logistik-Prozesse vor Beginn der Tests analysiert und anschließend exakt abgebildet.

“ Herr über viele Lkw: Dank der Fernsteuerung von Fernride kann ein Fahrer mehrere Fahrzeuge steuern. Das zeigen Tests mit DB Schenker auf dem Hof der Geschäftsstelle Nürnberg. #Fernride #DBSchenker #AutonomousVehicles“

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DB Schenker plant schon seit geraumer Zeit mit Automatisierung in den Betrieben. Seit November 2018 ist der Einride Pod, ein vollelektrischer, autonomer Lkw in Schweden im Einsatz. Und in Leipzig testet der Logistikdienstleister das Verhalten und den Einsatz von KI-gestützten Roboterfahrzeugen im alltäglichen Betrieb. Langfristig sollen die automatisierten Abläufe die Arbeit im Umschlaghub sicherer und effizienter machen – und so die Wettbewerbsfähigkeit von DB Schenker erhöhen.

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