BVL-Forum Ersatzteillogistik: Wege zur resilienten Lieferkette

In der Medizin bedeutet Resilienz Widerstandsfähigkeit. In der Ersatzteillogistik auch. Ob Mensch oder Lieferkette, es geht um die Bewältigung stressreicher Ereignisse. Die Widerstandsfähigkeit der Supply Chain ist zum wichtigsten Merkmal einer zeitgemäßen Strategie für die Ersatzteillogistik geworden. Das Ersatzteilwesen gilt als das „Rückgrat unserer Wirtschaft“. So stand es in der Ausschreibung zum Forum Ersatzteillogistik der Bundesvereinigung Logistik (BVL) am 6. und 7. April in Nürnberg.

Die Präsenzveranstaltung mit über 100 Teilnehmern und Teilnehmerinnen unterstrich eindrucksvoll, dass Supply-Chain-Manager aller Branchen dabei sind, überholte Konzepte zu modifizieren oder gar über den Haufen zu werfen. Lange Zeit ging es im Ersatzteilgeschäft hauptsächlich um ökonomische Faktoren. Man zentralisierte Fertigungs- und Lagerstandorte und band immer weniger Lieferanten ein. Mittlerweile herrscht eine andere Sichtweise vor. Epidemie, Naturkatastrophe, Krieg – viele Ereignisse der vergangenen Jahre haben den Logistikern eines gelehrt: Wenn Standorte in der einen Region nicht mehr wie gewohnt funktionieren, müssen andere einspringen. Das klappt nur, wenn man kleinere Produktions- und Lagereinheiten etabliert, also die Zentralisierung schrittweise und maßvoll in eine Dezentralisierung umwandelt.

Mehr Networking für bessere Versorgung

Es reicht nicht mehr aus, eine Handvoll Zentrallager über den Globus zu verteilen. Das verdeutlichte auch der Chef-Logistiker eines international tätigen Maschinenbauers den Zuhörern. Er praktiziert ein enges Networking mit seinen Distributoren, damit sie sich untereinander über Bestände austauschen. Grundlage ist die Vernetzung von ERP-Systemen, auch wenn es sich bei den Partnern um eigenständige und somit externe Dienstleister handelt. Ziel ist es, Transparenz darüber zu gewinnen, was aktuell in mehreren Hundert Lagern verfügbar ist, um dem Kunden möglichst schnell das geforderter Ersatzteil zu liefern.

In einem anderen Beispiel führt vernetztes Denken zu einer Reduzierung der Lagerbestände. Stichwort: Verfügbarkeitsplattform für Ersatzteile. Um Maschinenausfall zu vermeiden, halten die Werke großer Industrieunternehmen an allen Standorten oft gleiche Ersatzteile vor. Das kostet! Bei Globalplayern entstehen so in Summe gewaltige Bestände für 100 Millionen Euro und mehr. Ein Referent zeigte, dass es schlanker geht. Die Idee: Der Hersteller inventarisiert seine weltweiten Ersatzteilbestände auf einer zentralen Plattform. Das Ziel: Nicht jedes Werk hält alles vor, die Standorte helfen sich gegenseitig aus.

Künstliche Intelligenz identifiziert Ersatzteile

Voraussetzung für eine Ersatzteil-Plattform und für andere resiliente Logistikkonzepte ist die saubere Datenerfassung. Schon leichte Abweichungen bei der Bezeichnung gleicher Artikel bewirken, dass man sie im Bestand nicht findet. Auch wenn Handwerker bei den Haustechnik-Herstellern bestellen, ist die eindeutige Identifizierung von Teilen unerlässlich. Zum Beispiel für die Reparatur von Heizungsanlagen. Nicht jedes Kleinteil gibt sich per Aufdruck oder Typenschild zu erkennen. Über künstliche Intelligenz (KI) lassen sich solche Kommunikationsprobleme beheben. Dazu sendet der Handwerker dem Hersteller ein Foto von dem zu ersetzenden Teil. Eine KI vergleicht das Bild mit den Fotos, die der Hersteller von seinen Teilen in einer Datenbank hinterlegt hat. In kürzester Zeit identifiziert die KI das Teil und sagt dem Handwerker, wonach er sucht oder grenzt die Auswahl auf wenige Teile ein.

Trend zur „Amazonisation“

Projekte wie dieses erklären, warum sich in der Ersatzteillogistik das Wort „Amazonisation“ ausbreitet. Gemeint ist ein Tempo bei der Beschaffung von Ersatzteilen im Business-to-Business-Bereich, wie man es sonst nur im Privatkundengeschäft erlebt. Fast alles geschieht im Nachtsprung oder noch schneller. Und genau das ist das Ziel einer resilienten Ersatzteillogistik: Jedes Teil sofort am richtigen Platz, selbst dann, wenn äußere Einflüsse die Produktions-, Lager- und Logistikbedingungen massiv beeinträchtigen.

“Leistungsfähige #Ersatzteillogistik braucht #Resilienz in der Versorgungskette“

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Übrigens: Das klinische Wörterbuch „Pschyrembel“ schreibt, dass gerade die Resilienz es den Menschen „ermöglicht, negativen Einflussfaktoren standzuhalten, ohne eine (…) Störung zu entwickeln“. Die Referenten des BVL-Forums waren sich einig, dass auch die Versorgungsketten in der Ersatzteillogistik besagte Resilienz benötigen.